Full text: Das Flammenzeichen vom Palais Egmont

14 Eröffnung des Kongresses. 
drückten Arbeiterklasse der sich in krisenhaftem Zustande befindlichen kapi- 
talistisch-imperialistischen Länder der Welt. Der Vorsitzende soll keine 
Rede halten. Ich habe eine beträchtliche Tagesordnung für diese Ver- 
sammlung, und es ist mir ein außerordentliches Vergnügen, nach diesen 
kurzen einleitenden Bemerkungen den Kameraden Barbusse zu bitten; das 
Wort zu nehmen. 
Der große französische Schriftsteller 
Henri Barbusse, 
vom Kongreß stürmisch begrüßt, ergreift hierauf das Wort: 
| \rotz meiner Krankheit bin ich hierhergekommen, um an dieser Eröff- 
A nungssitzung teilzunehmen. Mit Glück und tiefer Freude nehme ich hier 
diesen Platz ein, um zu der Eröffnung des ersten internationalen Kongresses 
gegen die koloniale Unterdrückung und den Imperialismus zu sprechen. 
Brüderlich grüße ich die Vertreter zahlloser Menschen, die aus allen Teilen 
der Welt hierhergekommen sind, und sage ihnen: Ihr seid nicht nur her- 
gekommen als Menschen, die sich verbrüdern, die sich die Hände reichen 
wollen, ihr seid auch als Organisatoren und Arbeiter gekommen, die mit- 
einander bauen wollen. Ihr seid hierhergekommen, um :vor der ganzen 
Welt — laut genug, daß sie es höre — den Schrei der unterdrückten Rassen 
und Völker zu erheben. Dieser Schrei ist menschlich, gerecht und klar, 
durch nichts kann seine schneidende und lichte Logik entstellt werden. 
Ihr kommt hierher, damit dieser Schrei Aktion werde; noch mehr, damit er 
gemeinsame Aktion werde, damit er eine über die ganze Welt hingehende 
Aktion werde. Zum ersten Male versucht ihr, durch eure Vereinigung und 
eure ganze Solidarität eurer Sklavenrevolte ihre ganze Tragweite, ihre ganze 
Bedeutung, ihre ganze Majestät zu geben. 
Zum ersten Male schließen sich die gefangenen, geopferten und ge- 
mordeten Völker zu einem Block zusammen... Keiner von uns fällt mehr 
auf die hypokritischen Sophismen herein, die der Imperialismus wie eine 
Theaterkulisse vor seinen kolonisatorischen Schandtaten aufrichtet; auf die 
brutale und rücksichtslose Besetzung, die brüsk von einem Tag zum andern 
für Recht erklärt wird; auf die gewaltsame Unterdrückung, die Barbarei, die 
zur zivilisatorischen Politik gestempelt wird. Wir sind über diese Sophismen 
hinaus. Wir wissen sehr wohl, daß die Geschichte des Imperialismus eine 
Geschichte der Räuberei ist. Es gibt Länder, welche das Glück oder 
Unglück haben, Bodenschätze zu besitzen; reich versorgt zu sein mit 
jenen menschlichen Reserven, aus denen man die Arbeitskraft und das 
Kanonenfutter rekrutiert: Absatzmärkte für Ware zu sein, an wichtigen
	        
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