Ernst Toller. — Dr. phil. Helene Stöcker.
Erklärung der deutschen Delegation.
„Die auf dem ersten Kongreß der Liga gegen koloniale Unterdrückung in Brüssel
versammelte deutsche Delegation kam zu folgender Entschließung:
Wir verfolgen den in der ganzen Welt vor sich gehenden Freiheitskampf der
unterdrückten kolonialen Völker mit tiefer Bewunderung und in der Hoffnung auf
den Endsieg ihres Kampfes für die Sache der ganzen, arbeitenden Menschheit.
Die heute in Deutschland immer mehr wachsende Propaganda für die Wiedererwerbung
von Kolonialbesitz halten wir für falsch und gefährlich; eine neue Kolonialpolitik,
einerlei in welcher Form, wird das deutsche Volk unweigerlich in die bevorstehenden
blutigen, imperialistischen Kriegskonflikte hineintreiben. Die Zeit der Kolonialpolitik
ist vorüber.
Selbst wenn Deutschland wieder Kolonien erhielte, würde damit an der
schweren wirtschaftlichen Lage seiner arbeitenden Bevölkerung nicht das Mindeste geändert.
Die um ihre Befreiung kämpfenden Kolonialvölker sind auch die Bundesgenossen
der schaffenden Bevölkerung Deutschlands.
Wir rufen das gesamte arbeitende Volk auf, von seinen wirtschaftlichen und politischen
Organisationen eine entschiedene Stellungnahme gegen jede neue Kolonialpolitik
zu fordern.“
Ich komme zum Schluß. Dieser Kongreß hat als gigantischer, demonstrativer
Akt einer Milliarde Menschen eine immense Bedeutung. Morgen
wird dieser Kongreß eine Weltmacht sein. Was hier geschieht, wird den
Schlummer der Herren Mussolini und Primo de Rivera, der Herren Chamberlain
und Poincare empfindlich stören. Hier wird der wahre Völkerbund
geschaffen, in dem es weder Herren noch Knechte, weder Ausbeuter noch
Ausgebeutete, weder weltpolitische Subjekte, noch weltpolitische Objekte
gibt. Es lebe der Völkerbund von Brüssel!
Dr. phil. Helene Stöcker (Deutschland)
spricht als Delegierte des deutschen Friedenskartells:
( habe die große Freude und Ehre, dem Kongreß die Grüße von zwei
großen Organisationen zu überbringen — groß nicht in dem Sinne wie
die Trade Unions, die Millionen von Arbeitern hinter sich haben, aber groß
in dem andern Sinne, daß auch sie sich über Länder erstrecken. Sie stellen
zwar noch eine Minorität dar, aber doch eine Minorität, von der wir hoffen,
daß sie auch in möglichst baldiger Zeit eine Majorität werden wird. Es ist
das einmal die „Internationale der Kriegsdienstverweigerer‘“ in London und
zum andern das „Deutsche Friedenskartell‘“. Das Deutsche Friedenskartel]
hat 23 Organisationen in Deutschland vereint, die den Kampf gegen Krieg
und Unterdrückung aufgenommen haben, und die in ihrer großen
Majorität nicht mehr arbeiten und ihre Gesinnung haben im Sinne des alten
bürgerlichen Pazifismus, sondern die sich durch die Erlebnisse des Krieges
und der Nachkriegszeit klar darüber geworden sind, daß der Kampf gegen
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