Full text : Das Flammenzeichen vom Palais Egmont

6 Die „Kulturmission“ der abendländischen Völker.
Verzeihen Sie dieses Wort: Es ist ein wenig töricht, nein! Es ist ergreifend,
wenn heute der schwarze Mann, der braune Mann, der gelbe Mann beweisen
will: Ich bin ein guter Soldat, ein guter Techniker, ein großer Gelehrter, ein
kluger Rechner. Ihre Väter haben die Kultur Europas und Amerikas nicht
besessen. Nicht darum, weil sie das nicht konnten, was wir können. Nein!
Weil sie das nicht können wollten. Die Zukunft wäre hoffnungsfroher,
wenn sie nach Europa gekommen wären, etwa um uns zu sagen: „Wir
spucken auf Eure internationale Börse. Wir wollen nicht Eure Handelspoliük
 und Eure Technik. Wir wollen nicht einmal Eure Bücher und Eure
Museen. Aber: Wenn sie das Verbrechen der Kolonisation — (und jede
Kolonisation ist Verbrechen) —, wenn Sie den Imperialismus bekämpfen
wollen, so haben Sie nur den einen Weg: Sie müssen uns mit unsern eigenen
Waffen schlagen. Sie müssen selber übernehmen die internationale Geldwirtschaft
 und die ganze Maschinenkultur Europas und Amerikas. Und dies
meine Herren ist nun das wahre Kolonisationsproblem. Alles andere bleibt
zuletzt eine edle Demonstration. Alle Völker, welche künftig nicht mehr von
Amerika oder Europa beherrscht werden wollen, müssen selber übergehen
zu einer rationellen Wirtschaft, zu der Handels- und Industriewirtschaft der
weißen Rasse. Tun Sie das aber, dann fällt Ihr alter Bauernstand dahin.
Dann verlieren die farbigen Völker alles, wodurch sie heute noch uns weißhäutige
 Menschen überlegen sind, alte Überlieferung und Volksglauben. Dies
ist die Sackgasse, die Zwickmühle, Double Moulin, darin sitzen die farbigen
Völker fest. Ja! Ich gehe weiter. Die alte Kultur Afrikas, Indiens und
Chinas hat heute noch einen einzigen Freund: den amerikanisch-englischen
Imperialismus. Es wird dahin kommen, daß die alte Sprache und Schrift,
die Volksbräuche und die Religion Chinas und Indiens von keinem im Lande
so geschätzt wird, wie von den Unterdrückern. Alle Kolonisationsmächte
lieben heiß die konservativen Völker. Alle Unterdrücker denken: Wenn wir
Euer Altertum lieben, so geschieht es, weil wir Euch beherrschen können, solange
 Ihr Euch selber treu seid. Euer Volk soll dumm erhalten werden. Erst
wenn Ihr selber Konkurrenten werdet unseres Kapitals und unseres Imperiums,
 dann seid Ihr für uns gefährlich. Aber: Je mehr Analphabeten
China hat, je mehr Nigger die europäische Sprache nicht verstehen, je mehr
Hindu vor den Bäumen niederknien, statt Bäume abzuschlagen, je mehr
Buddhisten die Tiere für göttlich halten, statt die Tiere zu schlachten, um
so besser für die Unterdrücker. Eine Handvoll weißer Strolche, das übelste
Gesindel der Erde, herrscht über 150 Millionen braune und gelbe Menschen.
Sie haben ja keine Kanonen, keine Maschinentechnik. Ich wiederhole: Das
wahre Problem der Kolonisation ist dieses: gehen die farbigen Völker über zu
unseren Methoden der Erdausbeutung, dann werden sie schon in 50 Jahren
loskommen vom Imperialismus. Aber sie könnten bald genau dasselbe
werden, was wir sind, Sklaven der Maschinen. Ich möchte erinnern an einen

INS
            
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