Willi Münzenberg. 917
zu überbrücken helfen und die weißen und schwarzen Arbeiter in eine ge-
meinsame Front gegen den gemeinsamen Feind zusammenzufassen.
Wir haben Vertreter von den mittel- und südamerikanischen Ländern,
aus Mexiko sind drei Delegierte anwesend, darunter Vertreter der mexi-
kanischen Gewerkschaften, der mexikanischen Bauernorganisation, die allein
eine Million Mitglieder zählt. — So haben sich zusammengefunden die Ver-
treter der stärksten Organisationen aus den drei, heute in der Geschichte
entscheidenden Ländergruppen: China, Indien und Mexiko — Latein-
Amerika.
Außer den Vertretern der unterdrückten Völker sind Vertreter der wich-
tigsten Organisationen Europas zum Kongreß gekommen, die bereit sind,
den Kampf, den die Unterdrückten in den kolonialen und halbkolonialen
Ländern führen, in den europäischen Heimatländern des Kapitalismus zu
unterstützen.
Die Gruppe der europäischen Vertreter weist ebenfalls Delegierte der
verschiedensten Richtungen und Parteien auf. Delegierte der pazifistischen
Organisationen, der Friedensliga und der Liga für Menschenrechte sitzen
zusammen mit Kommunisten, Sozialisten und den Vertretern größerer euro-
päischer Gewerkschaften und Arbeiterparteien, Mit demselben Beifall, mit
dem der Kongreß die Vertreter der Kuomintang-Partei und Vertreter der
chinesischen Armee empfing, hat gestern der Kongreß den Vertreter der
Labour Party, unseren Kameraden und Freund Lansbury, begrüßt und den
Sekretär des Amsterdamer Gewerkschaftsbundes herzlich empfangen. Jeder
fühlte, daß derjenige, der hier sprach, ganz gleich wie er sonst steht, ernst-
lich bereit ist, an dem großen Werke der Befreiung der Millionen unter-
drückter Arbeiter und Bauern zu helfen. Durch 17 Delegierte sind auf dem
Kongreß allein 8 Millionen gewerkschaftlich organisierte Arbeiter vertreten
und durch 174 Delegierte fast ı Milliarde Menschen.
Eine führende rechtsstehende Zeitung Brüssels, „La Gazette‘, hat einen
äußerst scharfen Artikel gegen den Kongreß geschrieben und unter anderem
erklärt, daß sich in Brüssel einige Dutzend Leutchen zusammengefunden
hätten, um den Völkerbund zu imitieren. Die Leute dürften eine Überraschung
erleben. Heute freilich sind wir trotz des großen Besuches und trotz aller
Stärke im Verhältnis zu der imperialistischen Macht noch klein und schwach,
Unsere Gegner beherrschen dank der technisch auf das beste ausgerüsteten
Massenheere den größten Teil des Erdballs. Aber heute schon kann man er-
kennen, daß unsere Gegner die Höhe ihrer Macht erklommen haben und sich
teilweise bereits auf der absteigenden Linie befinden. Wenn auch heute noch
große Teile der Erde von dem Völkerbund beherrscht werden, dieser euro-
päischen G.m. b. H. des Imperialismus, so wird doch die Zukunft den-
jenigen Völkern und Organisationen gehören, die heute auf dem Brüsseler
Kongreß vertreten sind, Die Entwicklung der nächsten Jahrzehnte wird