Full text: Das Flammenzeichen vom Palais Egmont

Georg Lansbury. 95 
eigenen Zwecke, die darin bestehen, die Chinesen gegen die Japaner, die 
Japaner gegen die Inder, die Inder gegen die Europäer nur mit dem einzigen 
Ziel, des Profitmachens, zu gebrauchen. Die uns sagen, daß die britischen 
Truppen nach China zur Verteidigung des Lebens britischer Untertanen 
gehen, belügen uns, und belügen uns bewußt. Sie gehen nur mit dem ein- 
zigen Zweck dorthin, kapitalistische Interessen zu verteidigen, ihre Profite zu 
sichern. Und ich sage meinerseits allen, die das Lebensniveau der Arbeiter 
der ganzen Welt sichern wollen, die das Lebensniveau der Europäer heben 
wollen, daß dazu kein anderer Weg führt als der der Befreiung vom Kapi- 
talismus und seine Ersetzung durch den Sozialismus. Es gibt keinen anderen 
Weg. Hört es, Ihr meine hier anwesenden Freunde des Pazifismus, unser 
Ruf „Friede“ ist zwecklos, solange der Kapitalismus besteht. Der Kapita- 
lismus erlaubt uns nicht, im Frieden miteinander zu leben, wofür China 
heute ein deutliches Beispiel gibt. Wir denken heute an China, wieil es im 
Vordergrund des Bildes steht. Ich denke aber auch an meine afrikanischen 
Genossen, die Männer und Frauen Afrikas, die genau so unsere Brüder und 
Schwestern wie die Inder und Japaner sind — denn sie sind dem gleichen 
Angriff wie unsere Kameraden in China ausgesetzt. 
In meinem Leben habe ich Kriege in Abessinien, Afghanistan, Zululand, 
Aschanti, Betschuanaland, den Burenkrieg, Kriege gegen die Kaffern und 
Ägypter, Kriege in der ganzen Welt erlebt. Und wenn ich versuche, ihnen 
auf den Grund zu gehen, sehe ich, daß sie alle aus dem gleichen Grunde wie 
der Krieg in China stattgefunden haben. Ihr, Genossen, die Ihr den Frieden 
liebt, müßt Euch daher den Reihen der Sozialisten anschließen. Ihr, Vertreter 
der unterdrückten Nationen, dürft Euch nicht allein durch den Ruf „Natio- 
nalismus‘ betören lassen. Individualismus ist etwas Gutes, und ich gebe zu, 
daß man den individuellen Mann und die individuelle Frau heranbilden muß. 
Ich gebe zu, daß eine jede Nation ihre eigene Kultur entwickeln muß. Je- 
doch, Freunde, wenn all dies gesagt und getan ist, müssen wir uns vom im- 
perialistischen System befreien, das das Recht des Stärkeren über den 
Schwächeren um des Profites willen lehrt, wir müssen uns von denen be- 
freien, die für sich den Anspruch erheben, klüger zu sein (und die in Wirk- 
lichkeit nur schlauer und gemeiner sind), von denen, die dadurch, daß sie 
gemeiner sind als andere, auch das Recht zu haben glauben, andere aus- 
zubeuten. 
Solange Sie nicht diese Notwendigkeit einsehen, solange Sie sich nicht 
entschließen, der internationalen sozialistischen Bewegung beizutreten, ist 
all unsere Arbeit, jeder Handschlag vergeblich. Dies wollte ich hauptsächlich 
heute hier ausdrücken. Ich wünsche nicht, daß eine weitere Liga sich heran- 
bildet, nur um den Ruhm des Nationalismus zu verkünden, sondern, als ich 
jetzt meinem chinesischen Freund die Hand schüttelte, war ich stolz, stolz, 
weil er eine Zivilisation vertritt, die älter ist als die, der ich angehöre, und
	        
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