Full text: Das Flammenzeichen vom Palais Egmont

Jawahar Lal Nehru. 57 
tistiken, Tatsachen oder Zahlen, um Sie davon zu überzeugen, daß Indien im 
Laufe der letzten Generationen entsetzlich heruntergewirtschaftet wurde und 
daß, wenn nicht ernsthafte Maßnahmen getroffen werden, diesen Prozeß 
aufzuhalten, Indien sogar aufhören wird, als Nation zu existieren. Sie wissen 
vielleicht, wie vor Jahren (bald nach ihrer Ankunft) die Briten die rücksichts- 
losesten Methoden anwandten, um ihre Industrien für sich profitabel zu 
machen. In jenen Tagen wurde die neue Doktrin von der Vormund- 
schaft über das indische Volk noch nicht erwähnt. Unsere Unterdrückung 
war nicht schlimmer als heute, aber sie war freimütiger. Wir hatten 
eine rücksichtslose, offene Ausbeutung und Unterdrückung aller indischen 
Industrien. Das war schlimm genug, aber Schlimmeres folgte nach und nach, 
indem man unser altes Erziehungssystem vernichtete, indem man uns ent- 
waffnete. Auf die verschiedenste Art vernichtete man den Geist des indischen 
Volkes und versuchte, ihm jede Fähigkeit zu wirksamer, schöpferischer 
Arbeit zu nehmen. Das war die bewußte Politik der Briten in Indien, 
indem sie versuchten uns zu spalten. Nachdem sie uns entwaffnet haben, er- 
zählen sie uns, daß wir nicht fähig sind, unser Land zu verteidigen. Nach- 
dem sie ein Erziehungssystem eingeführt haben, das unsere alte Erziehung 
vernichtet, und an ihre Stelle etwas setzt, was lächerlich gering und lächerlich 
unzureichend ist, das uns falsche Geschichte lehrt und versucht, uns zur 
Verachtung unseres eigenen Landes und zur Verherrlichung Englands zu er- 
ziehen, nach alledem erzählen sie uns jetzt, daß wir nicht genügend Bildung 
haben, um ein freies Land zu sein. . 
Es wird nun häufig festgestellt und besonders in der englischen Presse viel 
erwähnt, daß die Inder sich untereinander bekämpfen, die Hindus und die 
Moslems usw. Dabei müssen wir bedenken, wie es, abgesehen davon, daß man 
diese Schwierigkeiten äußerst übertreibt, auch die Politik der Briten ist, diese 
Unruhen hervorzurufen, oder wo sie schon bestehen, sie zu verschärfen und 
alles zu tun, sie am Leben zu erhalten, auch da, wo man sie leicht überwinden 
könnte. Das war die Politik der Engländer, so sehr sie dies auch immer ab- 
leugnen OseRLNIm. und wie ist heute Indiens Lage? Wir reden hier von 
Ausbeutung! Wir spüren sie reichlich. Nicht eine einfache Ausbeutung, Son- 
dern oft eine doppelte und dreifache. Wir haben einen Teil Indiens, die 
sogenannten „Indischen Staaten‘, wo unter dem Schutz der Engländer das 
Feudalsystem herrscht. Oft weisen die Engländer uns gegenüber und 
in andern Ländern daraufhin und sagen: schaut auf diese Teile Indiens, 
wo eine Art Selbstherrschaft besteht. Andere Teile Indiens sind weit fortge- 
schrittener. Ich will zugeben, daß diese Beschuldigung nicht ganz falsch ist; 
oftmals sind diese Bezirke weit weniger fortgeschritten als andere; aber die 
Briten vergessen einiges zu erwähnen. Sie vergessen uns zu sagen, daß sie 
selbst diese indischen Staaten unter ihre Fürsorge nahmen, daß sie selbst 
sie an der Entwicklung gehindert haben, kurz, daß sie dort die Zu-
	        
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