Full text: Bevölkerungslehre

7- Kap. Die Bevölkerungslehre in ihrer Entwicklung seit R. Malthus 207 
gemeinsam, weil gerade die Volkszunahme eine starke Triebfeder 
alles wirtschaftlichen Fortschrittes sei und weil die Geschichte zeige, 
daß es der Menschheit auf diesem Wege immer wieder gelungen 
sei, den Nahrungsspielraum der gestiegenen Volkszahl anzupassen. 
Im folgenden sind diese verschiedenen Richtungen etwas eingehender 
zu betrachten. 
Man bezeichnet die Gegner der Malthu s’schen Lehre, besonders 
diejenigen, die aus dem liberalen Lager stammen, als die Op- 
timisten?), Diese Bezeichnung ist durchaus zutreffend, nur darf 
man dabei nicht übersehen, daß dieser Optimismus keineswegs bei 
allen Vertretern dieser Richtung gleichmäßig begründet ist, sondern 
techt verschiedene Ausgangspunkte hat. Die Heimat der opti- 
mistischen Richtung ist England. Die meisten der hier zuerst auf- 
tretenden Gegner von Malthus gehen von den primitiven, indi- 
vidualistischen Ideen des 18. Jahrhunderts aus, wobei sich aber doch 
bei manchen von ihnen recht beachtenswerte Einblicke in die Zu- 
sammenhänge von Bevölkerung und Wirtschaft zeigen. 
Schon der erste der hierher gehörigen Schriftsteller, J. Grahame ?), 
geht von dem Gedanken einer prästabilierten Harmonie aus. Er 
betont immer wieder, daß das Volkswachstum die treibende Kraft 
für die wirtschaftliche Entwicklung sei. „Aber es ist nicht die 
Nahrung, welche diejenigen schafft, welche sie konsumieren sollen, es 
sind vielmehr die Konsumenten, welche diese schaffen oder doch 
wenigstens bei ihrer Hervorbringung mitwirken“?%). „Je mehr die 
Zahl der Arbeiter anwächst, desto mehr wird die Arbeitsteilung 
und Arbeitsverbesserung gefördert, wird der Wettbewerb angeregt, 
Qualitätsarbeit erreicht und werden vorhandene Möglichkeiten er- 
weitert“ 4). Dieser Gedanke, daß das Volkswachstum die Güter- 
produktion entsprechend fördert, daß es also kein Zuviel an Menschen 
geben kann, ist der Kernpunkt fast aller der Auffassungen, die gegen 
Malthus jetzt ins Feld geführt werden und die .an einem 
harmonischen Zustand der Verhältnisse von Bevölkerung und Wirt- 
schaft festhalten, Schon vor Grahame hatte G. Gray einen 
analogen Standpunkt vertreten®). Einem Zuwachs an Menschen 
1) Vgl. dazu Elster, a. a. O., S. 781. — Gonnard, a. a. O. — R. v. Mohl, 
Die Geschichte u. Literatur d. Staatswissenschaften, 1858, Bd. 3, S. 490ff0. — ' Ferner 
U. Schian,: Die englischen Ootimisten in ihren Bevölkerungstheorien, Diss,, 
Gießen 1926, 
?) An inquiry into the principle of population, Edinburgh 1816. ; 
3) a. a, O., S. 276 
+) aa. O., S. 277. 
>) G. Gray, The happiness of states... 1815. — Seine späteren Schriften
	        
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