Manuel Gomez, 71
Phase dieses Kapitalismus, der jetzt ganze Völker jenseits des Ozeans und
Millionen Arbeiter im Heimatlande ausbeutet. Nirgends zeigt sich das klarer
als in den Vereinigten Staaten. Manche von Euch kennen schon die Begleit-
erscheinungen einer auf Expansion gerichteten Außenpolitik. Die Konzen-
tration und die Zentralisation der Industrie führte zur Monopolwirtschaft;
d.h. alle wirtschaftliche — und daher auch politische — Macht der Nationen
wurde in den Händen einer kleinen Gruppe von Plutokraten der Wall Street
vereinigt.
Im Jahre 1910 wurde die United States Steel Corporation geschaffen,
die die machtvollsten Finanzgruppen, z.B. die sich bekämpfenden Rocke-
feller- und Morgan-Interessen, vereinigte.
Gleichzeitig mit dieser Entwicklung erschienen die Vereinigten Staaten
zum ersten Male auf der imperialistischen Weltbühne. Der spanisch-ameri-
kanische Krieg, der mit den charakteristischen und notwendigen Erklärungen
von angeblichen Befreiungsabsichten begann, war der erste Schritt zu einer
Außenpolitik, die sich bis heute konsequent fortsetzt. Die Besetzung von
Kuba und Porto Rico war das Sprungbrett für den amerikanischen
Imperialismus zur Annexion von Panama, Haiti und Santo Domingo, bis das
ganze kariıbische Gebiet ein „amerikanisches Meer‘ wurde. Im fernen Osten
sind Guam und die Philippinen die Vorposten der imperialistischen Politik
der Vereinigten Staaten, soweit sich diese auf Asien bezieht.
Die Ereignisse während des Weltkrieges und seitdem brachten die Ver-
einigten Staaten in die erste Reihe der imperialistischen Mächte. Die industrielle
Leistungsfähigkeit hatte sich enorm gesteigert. Wall Street verdrängte
London als herrschendes Zentrum der Weltfinanz. Aus einem Schuldner-
wurden die Vereinigten Staaten zu einem Gläubigerstaat, der riesige Inter-
essen sowohl in Europa wie in Latein-Amerika und Asien hat. Vor dem
Kriege erreichte das im Ausland investierte amerikanische Kapital noch nicht
21/, Milliarden Dollars, jetzt beträgt es mehr als 13 Milliarden.
Den Tendenzen imperialistischer Politik, die durch die Monroe-Doktrin
und die Politik der offenen Tür vertreten werden, wurde noch jene des
Dawes-Planes hinzugefügt. Der amerikanische Imperialismus, der sich endlich
seiner selbst bewußt wurde, nahm eine äußerst aggressive Haltung an. Aus
allen Ecken der Erde begannen die Hauptprofite des Imperialismus nach
den Vereinigten Staaten zu strömen.
Auf der Grundlage des amerikanischen Dollarimperialismus (der, wie alle
Latein-Amerikaner wissen, nicht nur von Dollars, sondern auch vom Fleisch
und Blut der erschlagenen und gemarterten Menschen, zusammengehalten
Wird), wird in den Vereinigten Staaten der sogenannte amerikanische Lebens-
Standard aufrechterhalten.
Sogar die amerikanische Arbeiterklasse hat zu einem gewissen Grade An-
teil an den Profiten des Imperialismus und ist infolgedessen von einer sozial-