Full text : Das Flammenzeichen vom Palais Egmont

Mohammed Hafız Bey Ramadan. 81
Völker, die Opfer dieses Imperialismus sind, werden hier von der gleichen
Idee geleitet, daß das höchste Interesse aller Völker darin besteht, an der
Weltbefreiung mitzuarbeiten.
Wir stellen hier eine Art Völkerbund dar, der jedoch, entgegen jenem
Völkerbund, der, wie die Erfahrung beweist, nur Regierungen und Teilinteressen
 vertritt, wirklich Nationen und allgemeine Interessen vertritt.
Es ist nicht gewiß, daß eine gerechte Idee sich sofort durchsetzt. Das hai
nichts zu sagen; früher oder später wird sie doch recht bekommen. Wie
viele gute Ideen schienen nicht anfänglich nur Utopien zu sein. Der Lauf der
Jahre hat diese Utopien in Wirklichkeiten verwandelt, Wirklichkeiten, von
denen wir uns nicht einmal mehr erinnern, daß sie einmal so heftig bekämpft
wurden, wie heute in imperialistischen Kreisen die Ideen bekämpft werden,
die die Ursache dieses Kongresses bilden.
Die Ideen haben das für sich, daß sie ewig, während die Menschen vergänglich
 sind. Es ist ihre große Kraft, die es ermöglicht, mehr noch auf die
Evolution zu zählen, als auf die Revolutionen. Die Revolutionen sind die Arbeit
 der Menschen, die Evolution erfolgt durch den Geist.
Als Ägypter, einem Lande angehörend, das noch dem Joche des Imperialismus
 unterworfen ist, erhoffe ich mehr von der Idee, als von der Gewalt,
 mehr von der Evolution, als von der Revolution, weil der Triumph der
Ideen absolut ist, während der Erfolg der Revolutionen leicht durch den Erfolg
 der Konterrevolutionen vernichtet werden kann. =
Ägypten wurde im Jahre 1882 ungesetzlicherweise durch britische Streitkräfte
 besetzt. Es ist dies ein Stück Geschichte, an das nicht mehr erinnert
zu werden braucht. Inzwischen sind jedoch große Ereignisse vor sich gegangen.
 Das ägyptische Volk hat sich gegen den Imperialismus, der es unter
sein Joch beugte, erhoben. Es hat unablässig für seine Unabhängigkeit gearbeitet
 und gekämpft. D. h., es hat gekämpft, um die Ausübung seiner natürlichen
 Rechte zu erreichen. Nach mehreren Jahren des Kampfes und der
Opfer geruhte der Imperialismus ihm die Etikette einer Unabhängigkeit zu
geben. Bleibt doch Großbritannien heute, wie im Jahre 1882, mit der Waffe
in der Faust in Ägypten, nicht, um für eine angebliche Sicherheit zu wachen,
die nie in Gefahr war, sondern um die lebenswichtigsten Interessen Ägyptens
 seinen selbst unwichtigeren Interessen unterzuordnen. |
Wir sind vielleicht das berühmteste Beispiel der Untaten der kolonialen
Unterdrückung und des Imperialismus.
Ah! Die Sophismen fehlen den englischen Imperialisten nicht, um die
ungesetzliche Besetzung zu vertuschen und sie vor den fremden Regierungen
als eine internationale Polizeimaßnahme darzustellen. Natürlich ist hier weder
der Ort noch der Augenblick, um für eine Sache zu plädieren, die in den
Augen des Kongresses im voraus als gewonnen gilt. Was verlangt eigentlich
Ägypten? Eine wahre Freiheit, eine wirkliche Unabhängigkeit. Es verlangt,
Das Flammenzeichen vom Palais Egmont. R
            
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