Full text: Das Flammenzeichen vom Palais Egmont

I Der Freiheitskampf Ägyptens und der arabischen Völker, 
daß England seine wiederholten Versprechungen, Ägypten zu evakuieren, er- 
fülle. Es verlangt auch für die Sicherheit aller Mächte, zur Beruhigung der 
daran interessierten Teile der Welt, daß der Suezkanal in keinem Augen- 
blicke, und vor allem in Kriegszeiten, eine Waffe in der Hand einer fremden 
Macht gegen die andere sei. Es verlangt, daß ein internationales Statut diese 
Neutralität des Kanals proklamiert, an die schon vor uns gewisse Großmächte 
gedacht haben, bevor sie der geheimnisvollen Vormundschaft unterworfen 
waren, die augenblicklich die Regierungen der stolzesten Völker unter ihr 
Gesetz beugt. 
Die Nöte der Welt kommen zweifelsohne von dem Imperialismus und 
seinen verschiedenen Auswirkungen auf allen Gebieten. Die Reaktionen er- 
folgen je nach dem Temperament der Völker, die darunter zu leiden haben, 
hier in extremer Form, dort in nationalistischer Form, anderswo wieder in 
fremden Hirngespinsten. Unterschätzen wir nicht diese unvermeidlichen 
Folgen. 
Ich maße mir nicht an, in einigen Worten das Bild eines der bewegtesten 
psychologischen Momente der Geschichte der Völker darzustellen. Was je- 
doch Ägypten anbelangt, so kann ich mir erlauben, und das gehört übrigens 
zu meiner Aufgabe, zu behaupten, daß sein Nationalismus nichts Angrei- 
fendes noch Reaktionäres an sich hat. Er ist eigentlich nur die wissenschaft- 
liche Bestätigung der Wahrheit, daß der Zustand der Sklaverei der stärkste 
Feind des Fortschrittes ist. 
Wenn die Ägypter Nationalisten sind, so nur, weil das die für sie einzige 
Form ist, um ihre Freiheit und ihre Unabhängigkeit fordern zu können. 
Sie sind nicht Nationalisten gegen die Ausländer; sie sind Nationalisten gegen 
den Imperialismus. Sie wissen übrigens, daß in der Epoche, in der wir 
leben, die Solidarität der Völker die Bedingung sine qua non der Freiheit 
aller ist, und daß im Interesse aller ein gutes universelles Verständnis not- 
wendig ist. 
So führt der Nationalismus auf einem Umweg, der nichts Unerwartetes 
an sich hat, aus dem, was an ihm am subjektivsten ist, fortschreitend zur 
Annahme der objektivsten internationalistischen Prinzipien. 
Der internationale Verband gegen kolomale Unterdrückung und Imperia- 
lismus hält heute seinen ersten Kongreß ab. Wir sind nicht so naiv, zu 
hoffen, daß er sofort ein voller Erfolg sein wird. Aber er hat uns zu- 
sammengebracht. Er hat die Vertreter der Völker einander näher gebracht. 
Er hat diesen Völkern die Gelegenheit gegeben, ihre wahren Gedanken zum 
Ausdruck zu bringen. An der Schwelle des Werkes, dem wir uns weihen wol- 
len, ist es notwendig, daß ein heiliger Vertrag uns vereinige, daß ein feier- 
licher Schwur getan werde, und daß wir es als unsere Ehre betrachten, jeder 
bei sich im Lande an der Befreiung der Völker und an der zweifelsohne 
langsamen, doch notwendigen Schaffung eines Gleichgewichtes zu arbeiten, 
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