Full text : Finanzwissenschaft

155 3. Buch. Die Staatsausgaben.
Das Heeresbudget Osterreich-Ungarns gestaltete sich im Jahre
1913 wie folgt:
Gemeinsames Heer 439,7 Millionen Kronen
Flotte 7 ”
Durchführung des Flottenprogramms 67,6 mE n
Insgesamt 582,0 Millionen Kronen
Ungarische Landwehr 87,5 SD .
Österreichische Landwehr 75,9 ss °
Insgesamt "745,5 Millionen Kronen
Von dem gesamten Ausgabebudget der gemeinsamen Verwaltung,
 sowie von dem Österreichs und Ungarns betrugen die hier
dargestellten Angaben für das gemeinsame Heer und Flotte und
für beide Landesheere etwa 13,5 Prozent, ein nur mäßiges Prozentuale.

In Frankreich hingegen belief sich die Verhältniszahl auf
33,7 Prozent im Jahre 1923, in Rußland 24,4 Prozent usw.
Was speziell die Ausgaben für die Kriegsflotte betrifft, so genügt
 es, die Steigerung im Budget des Deutschen Reichs vor Augen
zu halten, um die Entwicklung vor Augen zu haben:
1896: 92 Millionen Mark
1910: 4421 .
Es ist heute lehrreich, auf den Standpunkt früherer Zeiten
zurückzublicken. Mit welcher Energie bekämpft Bergius‘) die
Schaffung einer Kriegsflotte, die er geradezu für eine Gefahr erachtete.
 Ausführlich werden die Worte eines Fachmannes zitiert,
der unter anderem folgendes sagt: „Es unterliegt für mich gar
keinem Zweifel, daß der großartige Aufschwung, den die Hanseatische
 Reederei in den letzten zwanzig Jahren genommen hat,
nicht sowohl trotz des Mangels einer Deutschen Kriegsflotte,
sondern eben wegen desselben möglich gewesen ist..... Weil wir
Deutschen keine große Kriegsflotte hatten, welche die besten
Kräfte der Handelsflotte entziehen konnte, so kam die Intelligenz
und Tüchtigkeit aller unserer jungen Angehörigen, die sich der
Schiffahrt widmeten, unserer Handelsmarine zugute, und weil sie
wußten, daß sie sich im Auslande nicht auf den Schutz einer
großen Flotte verlassen konnten, mußten unsere jungen Seeleute,
ebenso wie unsere jungen Kaufleute, sich bemühen, sich diejenigen
Eigenschaften zu erwerben, deren man bedarf, wenn man in fremdem
Lande, auf sich selbst angewiesen, nicht zu Schaden kommen will .. .
Jedenfalls glaube ich in vorliegender Schrift klar und deutlich genug
 bewiesen zu haben, daß eine große deutsche Kriegsflotte den
1) Finanzwissenschaft (Berlin 1871). S. 39.

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