XIV. Abschnitt. Die Deckung der Ausgaben, insbes. der Kriegsausgaben. 149
und Anlehen in Anspruch genommen werden müssen. Es wäre
unmöglich die Kriegskosten ausschließlich aus Steuern oder aus-
schließlich aus Anlehen zu bestreiten. In der ersten Periode des
Krieges sollen Anlehen gemacht werden, später in steigender Pro-
gression zunehmen (a. a. O. S. 747).
J&eze?) weist darauf hin, daß die französische Regierung mit
Ausbruch des Krieges das Parlament vertagte und infolgedessen
nicht in der Lage war, neue Steuern einzuführen, oder die be-
stehenden zu erhöhen. Hierzu kam noch der Umstand, daß bald
nach Beginn des Krieges ein bedeutender Teil des Landes von
der deutschen Armee okkupiert wurde, weshalb die Regierung den
Standpunkt vertrat, daß die Inanspruchnahme der Steuerquellen
erst dann möglich sein wird, wenn das Land von der Invasion be-
freit sein wird, ja erst nach dem Kriege bei endgültiger finanzieller
Liquidation des Krieges. J&ze bemerkt schon hier, daß dieser
Standpunkt diskutierbar ist. An anderer Stelle sehen wir jedoch,
daß im Gegensatz zu seinem TLandsmanne, Leroy-Beaulieu, er
selbst in dem Weltkriege, wo bedeutende Summen rasch und
von schon überlasteten Steuerträgern eingehoben werden mußten,
die Inanspruchnahme der Steuerquellen für nötig hielt, wenn er
auch dagegen Stellung nimmt, daß die Kriegskosten ausschließlich
durch Steuern gedeckt werden sollen °). Er billigt das Vorgehen
Englands, das gleich bei Ausbruch des Krieges das Maximum der
möglichen Opfer von den Steuerträgern selbst in Anspruch nahm,
eine Politik „von großer politischer Klugheit, von hoher finanzieller
Weisheit und von glühendem Patriotismus“ ”). Die Inanspruch-
nahme der Steuerquellen ist die traditionelle Politik Englands im
19. Jahrhundert, es war auch der Standpunkt Gladstone’s,
wenn er auch die Notwendigkeit der Kriegsanlehen nicht leugnen
konnte. „Der Krieg ist für die Nationen die Zeit der Opfer“, sagt
Lloyd George. Namentlich folgende Argumente werden für die
How to pay for the war. (London 1916.) — Seligman, How to finance the
war. (New York 1917.) — Bogart, War corts and their financing. (New York
1921.) — Edgeworth, Currency and finance in time of war. (Oxford 1917.)
— Scott, The adjustment of war expenditure between taxes and loans. (Glas-
gow 1917.) — Riesser, Finanzielle Kriegsbereitschaft und Kriegführung.
II. Aufl. (Jena 1913.) — Eulenburg, Die Finanzwirtschaft nach dem Kriege.
1916. — Baudisson, Kriegsanleihen und Finanzwert. (Jena 1919.) — Touchy,
Finances de guerre de la France (Carnegiesammlung). (London und Paris.) —
Eine Reihe von Abhandlungen in der von Jeze redigierten Revue de science et
de legislation financiere.
‘) Les finances de guerre de la France, S. 212.
*) Les finances de guerre de V’Angleterre, S. 58
3) a. a. 0.8. 61