Full text: Finanzwissenschaft

XV. Abschnitt. Kriegsfinanzen und Volkswirtschaft. ; 
wirtschaft; jedes einzelne Produkt brachte dem Landmann immensen 
Gewinn, namentlich jene, welche nicht maximiert waren. Den Pro- 
duzenten von Wein, Obst, Gemüse, Zwiebeln, Mohn, Binse fließen 
Millionen zu, die reichlich dazu verwendet wurden, die Schulden- 
lasten zu tilgen. Weitere Folge: hohe Steigerung der Bodenpreise, 
die im Vergleich von nur wenigen Jahren vorher eine oft 100- 
prozentige Steigerung zeigen. Als Erfolge sehen wir die Gestaltung 
immenser Einkommen und rasch gebildeter kolossaler Vermögen 
(„die neuen Reichen“) und damit die Entfaltung eines ungesunden 
Luxus, Steigerung der Preise großer Wohnungen, der feineren 
Stoffe, der Edelsteine und Perlen, welch letztere bis zum zehn- 
fachen Preise anstiegen. 
Dies die Wirkung der vom Staate in Bewegung gesetzten 
Milliarden. Dem stehen freilich die traurigen Folgen des Krieges 
gegenüber, deren Untersuchung hier aber nicht unsere Aufgabe ist. 
Es ist überflüssig zu betonen, daß diese Milliarden zum größten 
Teil aus Anlehen, zum weit geringeren Teil aus die Bevölkerung 
schwer belastenden Steuern flossen. 
Dies in großen Zügen das Bild des Einflusses der Kriegs- 
finanzen auf die Volkswirtschaft. Es ist im großen ganzen das 
Bild einer fabelhaften Kraftentwicklung, einer Prosperität fast aller, 
die an der Produktion teilnehmen, dagegen einer gefährlichen De- 
kadenz aller, die an der Produktion unmittelbar nicht teilnahmen, 
deren Erwerb sich auf Dienstleistungen stützt und die zumeist von 
fixen Bezügen leben. 
3. Produktivität der Kriegsausgaben. Wir wollen 
uns noch kurz mit der Frage beschäftigen, ob die Kriegsausgaben 
als produktive Ausgaben zu betrachten sind. Bekanntlich handelt 
es sich hier um eine weit umstrittene Frage. Daß Kriege in po- 
litischer und ethischer Beziehung produktiv, werteschaffend sein 
können, also politische und ethische Werte schaffen können, die 
dann in ihrer Weiterwirkung, also mittelbar auch wirtschaftliche 
Werte schaffen können, unterliegt keinem Zweifel. Hierüber zu 
streiten, wäre wahrlich ein Streit um des Kaisers Bart. Die Frage 
ist nur dann eine schwierige, wenn es sich darum handelt, ob Kriege 
unmittelbar wirtschaftliche Werte schaffen? Ob Kriege nicht viel- 
mehr destruktiver Natur sind? Zur Beantwortung dieser Frage 
können wir meiner Ansicht nach am besten auf dem Wege folgen- 
der Betrachtungen kommen. Der kriegführende Staat kauft be- 
kanntlich mit seinen Milliarden Güter, die verbraucht werden, 
ohne in neuen wirtschaftlichen Gütern reproduziert zu werden. 
Der: Staat erhält für seine Milliarden nicht produktiv verwendbare 
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