Full text : Finanzwissenschaft

174 4. Buch. II. Teil. Die privatwirtschaftlichen Erwerbseinkünfte des Staates.
mungen, die einen großen bureaukratischen Apparat notwendig
machen, weshalb der früher gegen die Staatsunternehmungen gebrauchte
 Einwand des Bureaukratismus nicht mehr stichhaltig ist;
b) viele der modernen Unternehmungen (Versorgung mit Kraftquellen
 usw.) sind mehr administrativer als spekulativer Natur, so
zum großen Teil das Verkehrswesen, aber auch das Versicherungswesen,
 selbst das Kreditwesen usw.; hier weist der Staat also gegenüber
 den Privatunternehmungen keine besondere Inferiorität auf.
2. Rationelle Verwendung der Einnahmen. Bei
dem gesamten privatwirtschaftlichen Erwerb des Staates, aber ganz
besonders bei den gewerblichen und kaufmännischen Unternehmungen
spielt die Frage der Verwendung der Einnahmen eine bedeutende
Rolle. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das aus diesen Unternehmungen
 fließende Einkommen zweifacher Natur ist. Ihrer allgemeinen
 Natur nach sind diese Einnahmen Staatseinnahmen, wie
andere Einnahmen und daher bestimmt, zur Deckung des Staatsbedarfes
 zu dienen. Diese Einnahmen haben aber überdies eine
spezielle Natur, die mit ihrer Quelle, der Unternehmung, zusammenhängt
 und dieser am nächsten steht. Es gilt daher für die Kinnahme
 dieselbe Regel, wie für die Einnahmen jeder Unternehmung.
Diese Einnahme muß daher in erster Reihe der Natur der Unternehmung
 entsprechend verwendet werden. Es braucht nicht gesagt
zu werden, daß vom Rohertrag die Produktionskosten im weitesten
Sinne, Amortisation, Versicherung usw., gedeckt werden müssen.
Aber auch bei Verwendung des Reinertrages darf nicht von der
Auffassung ausgegangen werden, daß derselbe in seiner Gänze zur
Deckung des Staatsbedarfes verwendet werden darf. Denn in
erster Reihe steht eben im Interesse der Staatsfinanzen das Unternehmen
 selbst und dessen organische Entwicklung. Aus dem Reinertrag
 muß also vor allem für die Weiterentwicklung, Stärkung,
Ausdehnung des Unternehmens, Tilgung von drückenden Schulden,
Einführung neuer Geschäftszweige gesorgt werden. Der Reinertrag
will gewissermaßen zu seiner Quelle zurückkehren. Sind diese
Interessen versorgt, dann muß für diejenigen Opfer gebracht werden,
die bei dem Unternehmen tätig sind, soferne ihre Versorgung, Bezahlung
 ungenügend ist; also günstigere Bezahlungsverhältnisse für
Arbeiter, Beamte usw. Ferner wird eine rationelle Leitung dann
auch den Kundenkreis des Unternehmens berücksichtigen und nach
Möglichkeit die Preise herabsetzen. Dies ist nur dort überflüssig,
wo die Kundschaft ohnedies schon zu einem minimalen Preise befriedigt
 wird. So war z. B. im allgemeinen bei der Post vor dem
Kriege jenes Minimum des Tarifes erreicht, daß, mag die Ein-
            
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