Full text: Finanzwissenschaft

A. II. Abschnitt. Die Geschichte des Steuerwesens. 2 
des Feudalverbandes seine Bedürfnisse mittels der Leistungen der 
Angehörigen dieses Verbandes. Der Staat des Absolutismus schöpft 
sein Einkommen aus der Einräumung der aus seiner Allmacht 
fließenden Rechte. In dem individualistischen Staat des Kapitalis- 
mus, in dem die angeführten Quellen schon weniger reichlich zur 
Verfügung stehen, schöpft der Staat die nötigen Mittel aus dem 
Einkommen der Staatsbürger, denen er alle Produktionskräfte zur 
freien Benutzung überläßt und so entwickeln sich die Steuern zu 
dem wichtigsten Einkommenszweige des Staates, um so mehr, als 
die Steuer am wenigsten störend in das Getriebe des Wirtschafts- 
lebens eingreift. Und wenn eines Tages an die Stelle der indivi- 
dualistisch organisierten Produktion die gemeinwirtschaftlich organıi- 
sierte Produktion treten würde, wie dies der Kollektivismus an- 
strebt, dann würden die Steuern wieder verschwinden, denn der 
Staat würde ebenso, wie die Staatsbürger aus den Produkten der 
gemeinsamen Wirtschaft die Güter zur Deckung seines Bedarfes 
erhalten. 
Die Entwicklung des Steuerwesens steht demnach in modernen 
Staaten unter dem Einfluß von politischen und ökonomischen Mo- 
menten. Im ganzen Mittelalter bis zur Entstehung des absolutisti- 
schen Staates bilden die Steuern nur einen bescheidenen Teil der 
Staatseinkünfte. Die Geldleistung war das Zeichen der Abhängig- 
keit und wurde daher nur von Unfreien gefordert. Trotzdem 
kommen auch in dieser Periode Geschenke, Subsidien vor, die aber 
immer nur außerordentlicher Natur und zum Teil eine Nach- 
ahmung von Urharialverpflichtungen waren. Das ändert sich in der 
Neuzeit infolge der großen Umwälzung, welche im Staatsleben ein- 
tritt. Die veränderten und gesteigerten Bedürfnisse der Staaten 
konnten durch die persönlichen Leistungen des Adels nicht mehr 
befriedigt werden, der Staatsdienst nahm zum Teil gewisse besondere 
höhere Kenntnisse in Anspruch, die der Adel nicht besaß. Die 
schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse forderten überdies, daß 
der Adel der Verwaltung seiner Güter größere Aufmerksamkeit 
schenke. Dazu kam, wie erwähnt, die Umgestaltung des Heerwesens, 
kam der Übergang zur Geldwirtschaft. So entwickelt sich das 
„Steuerregale“, der Staat nimmt immer mehr das Recht in An- 
spruch, Steuern auszuschreiben resp. sich solche von den Ständen 
bewilligen zu lassen. Zur Ausübung dieses Rechtes gewinnt der 
Staat den Adel dadurch, daß er demselben Steuerfreiheit auch 
weiter gewährt und die Einhebung der Steuer von der Bewilligung 
der Stände abhängig macht. Der Druck der Steuern lastet schwer 
auf der Masse des Volkes. Die Steuern bildeten die Hauptursache 
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