A. VIII. Abschnitt. Die Steuerquellen und die Steuerkräfte insbesondere. 9251
die Kenntnis der Steuerkraft eines Staates ist es darum von her-
vorragender Wichtigkeit, sich über die Größe, die Intensität der
Steuerquellen klar zu werden. Die Finanzwissenschaft hat es bis-
her versäumt, diesen Gegenstand in den Kreis ihrer Betrachtungen
einzuziehen, und hat es in der Regel der Wirtschaftslehre und
Wirtschaftsstatistik überlassen, diese Fragen zu erörtern. Da aber
Jeder, der in den großen Fragen der Steuerpolitik klar sehen will,
sich über die Grundbasen der Steuerkraft klar sein muß, halte ich
es für notwendig, daß die Finanzwissenschaft an diesem Gegen-
stande nicht vorübergehe. Namentlich die schwierigen Fragen der
Gegenwart erfordern es, daß wir einen Einblick in die Gestaltung
der Steuerkräfte gewinnen. Wir beschränken uns auf die Zu-
sammenfassung einiger wichtigerer Daten, in denen sich die Ver-
hältnisse der Steuerquellen, die Gestaltung von Volksvermögen und
Volkseinkommen widerspiegeln, nicht außer acht lassend, daß diese
Daten nur Annäherungswerte repräsentieren.
Nach Helfferich (Deutschlands Volkswohlstand 1888—1913,
Berlih 1914) beträgt das Volkseinkommen Deutschlands 42 Milliarden
Mark, pro Kopf 600 Mark, das Volksvermögen mindestens 300 Milli-
arden, zwischen 290—320 Milliarden Mark; für den Kopf der Be-
völkerung 4500—4900 Mark. Um das Jahr 1895 betrug das jähr-
liche Einkommen 23—25 Milliarden; das deutsche Volksvermögen
200 Milliarden; in der Zeit von etwa 16 Jahren stieg das National-
einkommen um nahezu 75 Prozent, das Nationalvermögen um nahezu
50 Prozent. Das Volksvermögen weist einen jährlichen Zuwachs
von rund 10 Milliarden auf.
Der Denkschriftenband zur Begründung eines Gesetzes be-
treffend Anderungen im Finanzwesen (Teil IITL S. 111) führt für
das Volksvermögen in Deutschland folgende Schätzungen an:
für das Jahr 1886 (offenbar zu hoch) 175 Milliarden Mark (Beck er)
1899 190 N „a Lexis)
1902 200 D „ (Schmoller)
1906 215 n „»aM(Wernicke)
1908 320 ” „ (Steinmann-Bucher)
1908 251—266 „ (Ballod)
1909 350 # „ (Steinmann-Bucher)
1911 331—337 „ /Helfferich)
1914 331 »„ (Ballod).
Dieselbe Quelle gibt bezüglich des Volkseinkommens Deutsch-
lands folgende Zahlen:
1902 25 Milliarden Mark (Schmoller ca. 18,15 Milliarden Arbeit, 3,71 Ver-
mögen, 3,14 andere Einkommen)
1907 30 ” „(amtliche Daten)
1908 35 „= ‚Steinmann-Bucher).