268 4. Buch. V. Teil. Die Steuern.
Erscheinungen, z. B. auf einzelne Verzehrungsvorgänge bezogen
werden. „Sein oder Haben“ — sagt Foville — ist der Charakter
der direkten Steuern, „Tun“ ist der Charakter der indirekten Steuern.
Demnach wird der Unterschied der direkten und indirekten Steuern
auf den Unterschied von bleibenden oder vergänglichen Symptomen
bezogen. Schäffle hinwider begründet den Unterschied haupt-
sächlich darauf, daß die direkten Steuern die durchschnittliche
Steuerkraft erfassen wollen, .die indirekten die individuelle Steuer-
kraft, wie sie sich in einzelnen Erscheinungen tatsächlich ausdrückt.
5. Repartitions- und Perzentualsteuern. Vom Stand-
punkte der Steuerbemessung und der Festsetzung des Steuersatzes
unterscheiden wir die Repartitions- und die Perzentual-
steuern. Bei den Repartitionssteuern wird vorerst die Steuer-
summe für den ganzen Staat festgesetzt, dann folgt deren Aufteilung
nach Provinzen, Bezirken, Gemeinden und endlich nach einzelnen
Steuersubjekten. Dieses Verfahren war namentlich in älterer Zeit
üblich, als der Staat nur von Fall zu Fall sich Subsidien bewilligen
ließ und eine fixe Summe einheben wollte, die Zustandsverhältnisse
der Steuerkräfte aber nicht kannte. Die Staatsbürger wurden hier-
bei von der automatischen Steuererhöhung verschont, die bei per-
zentualem Fuße von selbst eintritt, so wie sich das Nationalein-
kommen von Jahr zu Jahr erhöht. Folge dieses Systems ist natür-
lich, daß der Staat in die Gestaltung, Veränderung der Steuerkräfte
keinen Einblick gewinnt. Der größte Nachteil des Repartitions-
systems besteht jedoch darin, daß die Verteilung der Steuerlast der
Willkür und namentlich dem Bestreben weiten Spielraum gewährt,
daß die Last das eine Territorium auf das andere, die eine Provinz
auf die andere, die eine Gemeinde auf die andere, das eine Indi-
viduum auf das andere abzuschieben trachtet unter dem ‚Hinweise,
daß die Leistungsfähigkeit eine geringere ist. „Die günstige Seite
des Steuersystems — sagte der ungarische Finanzminister Ludwig
Kossuth im Jahre 1848 — besteht darin, daß das Land bis zum
letzten Heller weiß, was es dem Staate opfert und nachdem die
Regierung weder von den Einnahmen noch von den Ausgaben
Rechnung legte, so war wenigstens durch die Festsetzung der Summe
den exzessiven Erpressungen der nicht Rechnung legenden Regierung
eine Grenze gesetzt.“ Die Repartitionssteuer steigerte die Solidarität
der Steuerzahler, denn was A nicht zahlte, das fiel B zur Last.
Andererseits veranlaßte die Repartition in vielen Fällen, so in
Frankreich, daß die Reichen das flache Land verließen und nach
Paris gingen. Die Nachteile des Repartitionssystems vermeidet die
Perzentualsteuer, wobei festgesetzt wird, wie viel Prozent der Steuer-
EG