Full text: Finanzwissenschaft

A. XII. Abschnitt. Die Zweckmäßigkeitsmomente der Steuer. 275 
die Steigerung der Grundrente hauptsächlich auf die Entwicklung 
der sozialen Zustände, die Zunahme der Bevölkerung usw. zurück- 
zuführen ist, eine potenzierte Besteuerung der Grundrente be- 
rechtigt ist. Die Staatsbedürfnisse bloß aus der Grundrente zu 
befriedigen, wäre auch dann ungerecht, wenn dies zur Befriedigung 
derselben genügen würde, was ja namentlich nach dem Weltkriege 
gänzlich ausgeschlossen ist. Gegen die einzige Steuer, die gegen 
das aus der sozialen Evolution, dem sozialen Fortschritt ent- 
springende unverdiente Einkommen sich richtet, spricht auch der 
Umstand, daß auch in anderen Produktionszweigen unverdientes 
Einkommen vorkommt und die konsequente Durchführung des 
Prinzipes würde es jedenfalls fordern, daß auch diese weggesteuert 
werden. Kine ganze Reihe der praktischen Schwierigkeiten spricht 
überdies gegen die allgemeine Durchführung der Reform, schon 
aus dem Grunde, weil in jungen Staatswesen, wo noch keine Grund- 
rente existiert, für die Deckung der Staatsbedürfnisse nicht gesorgt 
werden könnte. „Die Single tax ist — sagt Seligman — finanziell, 
politisch, moralisch und ökonomisch verfehlt“ 2). 
XI. Abschnitt. 
Die Zweckmäßigkeitsmomente der Steuer. 
Es soll noch der Frage gedacht werden, die etwas unfrucht- 
bar zu sein scheint, ob die Steuer ein gutes oder schlechtes Ding 
ist? Renan sagt in einer Schrift, die Steuer sei jener Teil des 
Einkommens des Einzelnen, welcher die beste Verwendung findet. 
Am begeistertsten sprach der ungarische Staatsmann Szechenyi 
von der Steuer, indem er sagt, daß die Steuer eine Hauptquelle 
der irdischen Glückseligkeit der Völker ist, und zwar so sehr, daß 
er selbst die größte, aber wohl verwendete Steuer als wahren Segen 
betrachtet. Die wohltätige Wirkung der Steuer besteht namentlich 
darin, daß sie zur Tätigkeit und Sparsamkeit aneifert und daß jener 
Teil des Einkommens, welcher zur Steuerzahlung verwendet wird, 
oft überhaupt nicht gewonnen würde, wenn es keine Steuer gäbe. 
Namentlich auf niedrigerer Stufe der Entwicklung stehende Völker 
erhalten durch die Steuer einen Sporn zur Tätigkeit und Sparsam- 
keit. Einen weiteren Vorteil oder eine bessere Unschädlichkeit der 
Steuer findet man darin, daß dieselbe doch wieder in die Taschen der 
1) a a. 0.8. 96 
18*
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.