Full text : Finanzwissenschaft

280 4. Buch. V. Teil. Die Steuern.
bedeuten. Doch begegnen wir auch strengeren Kritikern. Rogers
leugnet, daß diese Sätze von Smith aufgestellt wurden, da sie
mehr weniger schon bei Turgot vorkommen. Schäffle unterwirft
 sie einer strengen Kritik; Cohn und Walker legen denselben
 fast gar keine Bedeutung bei. Proudhon bezeichnet sie
als das erste Lallen der Wissenschaft. Stamp bezeichnet sie als
undisputabel, aber zur Lösung der heutigen Probleme ungeeignet.
Sie müssen spezifiziert werden *). Die Wahrheit ist, wie wir sahen,
daß allgemeine Steuerprinzipien schon sehr frühe aufgestellt wurden
und es kann bei Smith kaum von wissenschaftlicher Entdeckung
gesprochen werden. Fassen wir die dargelegten Prinzipien näher
ins Auge, so sehen wir, daß eigentlich nur der erste Satz ein allgemeines
 Prinzip enthält, die drei übrigen Punkte enthalten mehr
Zweckmäßigkeitssätze. Der erste Satz hat wieder den Fehler, der
aus dem bei vielen Fragen von Smith befolgten Eklekticismus
folgt, soferne er nicht konsequent ist, denn das Maß der Steuer
wird erst im Einkommen, in der Zahlungsfähigkeit, dann aber im
Interesse gefunden. In der Formulierung der Zahlungsfähigkeit
finden wir gleichfalls eine Zweideutigkeit, da aus derselben ebenso
auf den proportionellen, als auf den progressiven Steuerfuß geschlossen
 werden kann. In der Tat behauptet Rogers, daß in
dem Worte „Genuß“ die Billigung des progressiven Steuerfußes
steckt.
4. Weitere Theorien. Außer Smith haben auch viele
andere Schriftsteller sich mit der Entwicklung allgemeiner Steuerprinzipien
 beschäitigt: So Sonnenfels, Sismondi, Garnier
(stellt 16 Steuerprinzipien auf, 12 allgemeine und 4 besondere),
Hock, Held usw. Die größte Aufmerksamkeit widmete Wagner
der Erforschung der allgemeinen Prinzipien des Steuerwesens. Er
gruppiert die Hauptprinzipien des Steuerwesens nach vier Gesichtspunkten:
 1. Die Gerechtigkeit; 2. die Volkswirtschaft; 3. die Steuerverwaltung;
 4. die finanziellen Postulate. Forderung der Gerechtigkeit
 sind Allgemeinheit und Proportionalität; Forderung der Volkswirtschaft
 ist Ungestörtheit der volkswirtschaftlichen Tätigkeit;
Forderung der Steuerverwaltung ist Bestimmtheit, Bequemlichkeit,
Billigkeit; Forderung der Finanz ist Genügendheit, Elastizität usw.
Im ganzen stellt er neun Prinzipien auf.
Schäffle tadelt alle idealistischen Prinzipien, namentlich das
der Gerechtigkeit, nicht als ob die Ideale auf diesem Gebiete keine
Berechtigung hätten, sondern weil sie keine genügend feste Basis
Hıaa 0 SL

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