B. IV. Abschnitt. Proportionalität und Progression. 287
ein Antrag auf Einführung des progressiven Steuerfußes geschah,
den Zwischenruf: Das ist die Rede des Anführers einer Räuber-
bande. John Stuart Mill nannte den progressiven Steuerfuß
den abgestuften Raub („gratuated robbery“), Eisenhardt spricht
von nackter Beraubung, Umpfenbach von selbstmörderischem
Kommunismus. Nach Gladstone führt er zum Kommunismus.
Sehr häufig wird die Einführung des progressiven Steuerfußes als
Sieg des Sozialismus bezeichnet, obwohl derselbe oft gerade dem
Sozialismus eine Schranke setzen kann. So fehlt es ja nicht an
Sozialisten, die Gegner des progressiven Steuerfußes waren, wie
Proudhon, dagegen konservative Schriftsteller (Schmitthenner,
Baumstark), die denselben befürworteten. In Neufchatel hat die
Volksabstimmung gegen den progressiven Steuerfuß Stellung ge-
nommen. Solche Steuerfuße freilich, welche das Stammvermögen
angreifen, die Wurzeln vernichten würden, aus denen die Volks-
wirtschaft sich ernährt, hohe Progressionen sind auf die Dauer frei-
lich unanwendbar. Von solchen ruinösen Progressionen kann natür-
lich nicht die Rede sein und wenn vielleicht auch hie und da
exzessive Steuerfuße empfohlen wurden, so kann auch hier nicht
für jede Idee die Verantwortung übernommen werden. Gegen den
progressiven Steuerfuß haben namentlich die französischen Schrift-
steller Stellung genommen. Nach der Ansicht von Leroy-
Beaulieu hat der progressive Steuerfuß keinerlei rationelle Basis,
das ganze ist nichts als Sentimentalismus. Raub oder Willkür sind
nach Stourm die letzten Konsequenzen des progressiven Steuer-
fußes. Wolowski nennt den progressiven Steuerfuß vernichtend
und traurig‘ („destructive et funeste“).
2. Proportioneller Steuerfuß. Sowohl die wirtschaft-
nn liche als die soziale Entwicklung des Staatslebens hat es mit sich
gebracht, daß die Steuer zur Haupteinnahmequelle des Staates
wurde. Die große Bedeutung des Steuerwesens hat zur Folge, daß
man mit großer Sorgfalt die Quelle der Steuer zu erforschen suchte,
bis man diese in der Leistungsfähigkeit der Staatsbürger entdeckte.
Damit wurde es ‚aber wieder notwendig, das richtige Maß für die
Leistungsfähigkeit zu suchen, was hiermit zum Hauptproblem des
ganzen Steuerwesens wurde.
Die Leistungsfähigkeit können wir auf die Weise bestimmen,
daß wir die gesamten zur Verfügung der Einzelnen stehenden wirt-
schaftlichen Mittel untersuchen, in erster Reihe also das Einkommen.
Die Besteuerung der Einzelnen kann im direkten Verhältnisse ihrer
wirtschaftlichen Mittel geschehen, mit der Begründung, daß, wer
das Doppelte der wirtschaftlichen Mittel sein eigen nennt, doppelt
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