B. IV. Abschnitt. Proportionalität und Progression. 289
verschiedener Steuerfuße; jede Einkommensgruppe hat ihren eigenen
Steuerfuß und zwar ist der Steuerfuß in jeder höheren Einkommens-
klasse ein höherer. Die Steuerlast wächst also nicht einfach pro-
protional, in dem Verhältnis der Größe des Einkommens, sondern
in stetig wachsendem Maße.
Der progressive Steuerfuß zeigt eine verschiedene Einrichtung.
Er kann proportionell progressiv und progressiv progressiv sein,
resp. der progressive Steuerfuß wächst stets in gleichem Verhältnisse,
sagen wir um 1 Prozent, oder er steigt in progressivem Maße, an-
fangs mit 1, dann 2, 3 Prozent usw. Im allgemeinen Sinne genommen
ist natürlich auch der progressive Steuerfuß ein porportionaler
Steuerfuß *). Der progressive Steuerfuß kann so eingerichtet sein,
daß die Progression bei einem gewissen Punkte stille steht; der
Steuerfuß ist bis zu einer gewissen Höhe progressiv, dann hört die
Progression auf und der Steuerfuß ist einfach proportional. Dieser
Steuerfuß wird als degressiver Steuerfuß bezeichnet und sollte
besser beschränkt, partiell progressiv heißen ?). Es könnte
von einem gemischten Steuerfuß gesprochen werden, oder von
einem mit Progression verbundenen proportionalen Steuerfuße, wo-
bei bis zu einer gewissen Höhe der Steuerfuß progressiv, von da
ab proportional ist. Die Eigentümlichkeit des degressiven Steuer-
fußes besteht darin, daß hier jener unliebsame Schein vermieden
werden soll, als ob es sich um eine Verfolgung der großen KEin-
kommen handle; der Steuerfuß betont gewissermaßen mehr die
Erleichterung für die kleinen Einkommen, als die Mehrbelastung
der großen. Es handelt sich um eine gefällige Form anstatt einer
odiosen. „Die Kinder, die hören es gerne.“ Formell ist zwischen
dem progressiven und dem degressiven Steuerfuß vom Stillstande
der Progression abgesehen, kein Unterschied, denn jeder degressive
Steuerfuß ist von unten gesehen progressiv und jeder progressive
Steuerfuß von oben gesehen, degressiv. Aber bei dem degressiven
') Die Ausdrücke „proportionaler“ und „Progressiver“ Steuerfuß sind ge-
wiß nicht klar genug. Im Grunde ist ja auch beim proportionalen Steuerfuß
die Steuerleistung eine zunehmende, progressive, wie auch Seligman bemerkt,
daß auch der progressive Steuerfuß proportional ist, jedoch in progressiver Pro-
portion fortschreitend.
?) Diesen formellen Unterschied wollte wohl Wagner zu einem „prinzi-
piellen“ steigern, indem er sagt, daß der degressive Steuerfuß eine Treppe mit
wenig Stufen ist, welche bald ins Stockwerk führt, während der progressive
Steuerfuß endlos ist. KEr übersieht dabei, daß auch der degressive Steuerfuß,
wenn er konsequent sein wollte, eine endlose Treppe wäre, in seiner üblichen
Anwendung aber, bei den großen Einkommen, die Progression aufhört; ebenso
könnte ja auch der progressive Steuerfuß bei den höheren Einkommensstufen
aufhören und dann würde er auch bloß aus wenigen Stufen bestehen.
Földes. Finanzwissenschaft. 2. Aufl. 19