Full text : Finanzwissenschaft

zz. 4. Buch. V. Teil. Die Steuern.
progressiven Steuerfuß richteten Leroy-Beaulieu und L6on
Say, obwohl sie einen mäßigen progressiven Satz nicht perhorreszierten.
 Ihrer Ansicht gemäß hat aber ein mäßiger progressiver
Steuerfuß nach keiner Richtung hin Bedeutung, während beständig
die Gefahr besteht, daß höhere Progressionen gefordert werden.
Bei den Italienern kämpft namentlich Martello gegen den progressiven
 Steuerfuß, welcher nach ihm theoretisch absurd, praktisch
unmöglich ist; wenn er hoch ist, so ist er von verheerender Wirkung,
wenn er mäßig ist, so ist er wirkungslos; doch muß er hoch sein,
da er nur wenige Individuen trifft, die Massen verschont, während
gerade der Vorteil des proportionalen Steuerfußes darin liegt, daß
er um so mehr einträgt, je mäßiger er ist. Denis ist der Stellvertreter
 eines vermittelnden Standpunktes. Er hebt hervor, daß
die Frage des proportionalen oder progressiven Steuerfußes eigentlich
 ein Glied des Gegensatzes von Individualismus und Sozialismus,
von Egoismus und Altruismus ist. Keines dieser Prinzipien kann
restlos verwirklicht werden, aber mit dem Fortschritt der Wissenschaft
 werden die beiden Prinzipien in einer höheren Einheit zusammengefaßt
 werden.
6. Annäherungen an das Progressionsprinzip. Im
Gegensatz zu Jenen, die den progressiven Steuerfuß unbedingt verwerfen,
 nähern sich demselben diejenigen Schriftsteller, die wohl
im ganzen Anhänger des proportionalen Steuerfußes sind, jedoch
bei einzelnen Steuerarten den progressiven Steuerfuß billigen. So
ist Nasse für den proportionalen Steuerfuß, bei der Einkommensteuer
 billigt er jedoch den progressiven Steuerfuß, um so auszugleichen,
 wenn bei den Verzehrungssteuern eine umgekehrte Progression
 sich geltend macht, soferne die schwächeren Steuersubjekte
hier stärker getroffen werden. Auch Mill, der im allgemeinen
den progressiven Steuerfuß bekämpft, hält denselben — wie erwähnt
— bei der Erbschaftssteuer für notwendig.
Sehr vorsichtig ist auch noch das Vorgehen jener Schriftsteller,
die bloß für die Steuerfreiheit des Existenzminimums eintreten und
hierin indirekt die Verwirklichung der Progression sehen, so John
Stuart Mill, Roscher, Vocke, Helferich, Umpfenbach
und Andere. Aber mit dem Fortschritt der Steuertheorie und dem
Siege der Theorie der Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit
festigen sich immer mehr die Grundlagen, auf welchen die Theorie
des progressiven Steuerfußes aufgebaut wird.
In der Reihe der Argumente steht an erster Stelle das Postulat
der Gleichheit des Opfers. Mit dem Anwachsen von Einkommen
und Vermögen wird angesichts der Befriedigung der Bedürfnisse

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