B. VM. Abschnitt. Die Steuerüberwälzung. 319
Angebot und Nachfrage nicht verändern; Preisveränderungen treten
nicht deshalb ein, weil sich UÜberwälzungsbestrebungen betätigen,
sondern umgekehrt. UÜberwälzung kann dann stattfinden, wenn die
Preise sich verändern, was von Angebot und Nachfrage abhängt.
Aber wie bemerkt, auch ohne Überwälzung wird der Preis stets
das Verhältnis von Angebot und Nachfrage voll zum Ausdruck
bringen. Wenn sich eine große Nachfrage nach einem Industrie-
artikel zeigt, so wird dessen Preis mit und ohne Steuerüberwälzung
steigen; der Gewerbetreibende wird also aus dem Verkauf mehr
gewinnen, als früher und wenn zufälligerweise in demselben Zeit-
punkte seine Steuer erhöht würde, so wird man die Preissteigerung
der UÜberwälzung zuschreiben, während doch trotz neuer oder
höherer Steuer der Preis nicht gestiegen wäre, wenn dies nicht die
Verhältnisse von Angebot und Nachfrage zur Folge hätten. Die
Überwälzung ist somit mehr Sache der Interpretation; der Preis
wäre auch sonst gestiegen, das Überwälzungsstreben an sich hat
keinen entscheidenden Einfluß. Bei günstigen Marktverhältnissen
wird also die UÜberwälzung möglich sein, aber die UÜberwälzung
kann die günstige Preisgestaltung nicht hervorrufen. 8
Die Steuerüberwälzung setzt demnach die für die Überwälzung
günstige Gestaltung von Angebot und Nachfrage voraus, ohne welche
der Preis sich nicht ändern kann, die unmittelbare Ursache ist aber
die Veränderung des Verhältnisses von Angebot und Nachfrage.
Die Steuerüberwälzung als Ursache der Preisgestaltung kann nur
in dem Falle zur Geltung kommen, wenn das Bestreben von einem
Individuum ausgeht, das in den Kreis der Nachfrage oder des Ange-
botes gehört und es demselben gelingt eine entsprechende Preisver-
änderung durchzusetzen. Wenn aber doch die Steuerüberwälzung
ohne Anderung von Angebot und Nachfrage stattfände, so ist dies
nur daraus zu erklären, daß der Preis den Verhältnissen von An-
gebot und Nachfrage nicht entsprach, daß hier eine gewisse Irre-
gularität in der Preisbildung zu konstatieren ist, ein Vacuum, in-
folge des Wachsens der Steuerlast das Bestreben nach UÜberwälzung
diesen Zustand aufdeckte und klar machte, daß den obwaltenden
Verhältnissen von Angebot und Nachfrage eine andere Preisformel
entspricht. Die Steuerüberwälzungstendenz ist hier gewissermaßen
der Pfadfinder, der in die Bahn der richtigen Preisgestaltung hin-
führt. Natürlich bezieht sich dies nur auf Steuern, die nicht etwa
die Bestimmung haben, vom Steuersubjekt überwälzt zu werden,
sondern die vom Steuersubjekt selbst zu tragen wären.
Die Steuerüberwälzung ist also auch hier nicht so sehr Ursache,
als Gelegenheit zu richtiger, dem Verhältnis von Angebot und Nach-