B. VII. Abschnitt. Die Steuerüberwälzung. 321
Konkurrenz ausgeglichen werden. Wenn aber die Belastung eine
ungleiche ist, dann beginnt eine ganze Reihe der Uberwälzungs-
kämpfe, die ganz unberechenbar sind. Im übrigen ist die Über-
wälzung in der Regel bloß eine vorübergehende; es läßt sich auch
nicht behaupten, daß diese oder jene Steuer vom Produzenten, vom
Händler usw. überwälzt wird; denn einmal gelingt die Überwälzung,
ein anderes Mal nicht. Auch Vocke erklärt, daß die Frage der
Überwälzung eigentlich nicht in die Finanzwissenschaft gehöre.
Mayer (Prinzipien der gerechten Besteuerung) schildert die Über-
wälzung folgendermaßen. Wenn unter Steuerüberwälzung verstanden
wird, daß die Steuer in einem weiteren Kreise ihre Wirkungen
fühlbar macht, als in der Wirtschaft der unmittelbar Steuernden,
dann muß gesagt werden, daß jede Steuer überwälzt wird. Wenn
unter Steuerüberwälzung verstanden wird, daß die Steuerzahler die
Wirkung der Steuer von sich abstoßen, dann muß gesagt werden,
daß es keine überwälzbare, wenigstens nicht vollständig überwälzbare
Steuer gebe. Auch Roscher sagt, daß die Wirkung der Steuer
auf die Preise nicht voraus zu bestimmen ist; nur soviel kann mit
Bestimmtheit behauptet werden, daß die Wirkung der meisten
Steuern über den Kreis der Steuerzahler hinaus reicht; ansonst
kann nur von Überwälzungskämpfen die Rede sein, deren Gelingen
in manchen Fällen konstatierbar ist, alles andere ist Hypothese.
Auch Schäffle kennt nur UÜberwälzungskämpfe, welche in einzelnen
Fällen zum Siege führen, aber die Voraussetzungen dieses Sieges
sind bei der großen Kompliziertheit des Verkehrs gänzlich unbekannt.
Diese Auffassung unterscheidet sich also wesentlich von jener, welche
nicht nur behauptet, daß jede Steuer vom Produzenten auf den
Konsumenten überwälzt wird, was namentlich mit der Theorie
Ricardo’s zusammenhängt und auch die Auffassung Stein’s
charakterisiert, sondern hieraus auch jene Konsequenz ableitet, daß
aus diesem Grunde jede alte Steuer gut ist, weil hier die Über-
wälzungsprozesse schon zur Ruhe gekommen sind — der sogenannte
Canardismus — die Steuer also auf jene Schultern abgewälzt ist.
die dieselbe zu tragen am geeignetsten sind; jede neue Steuer hin-
wieder ist schlecht, weil sie neue UÜberwälzungskämpfe hervorruft.
Jener bequeme Standpunkt der Steuerpolitik, daß, wie schlecht auch
eine Steuer sei, die Überwälzung dies korrigieren wird, ist nicht nur
der größte Optimismus, sondern auch die leichtsinnigste Staats-
weisheit.
3. Verschiedene Gestaltung der Steuerüberwälzung,
Die UÜberwälzung der Steuer zeigt große Verschiedenheit je nach
der Art der Fälle. Es gibt wirtschaftliche Gruppen, die die Steuer
Földes, Finanzwissenschaft. 2. Aufl. 91