B. VMNI. Abschnitt. Sonstige Postulate des Steuerwesens. 3925
Schultern eines anderen überwälzt, sondern in irgendeiner Weise
die Steuer für sich erträglich gestaltet. Dies geschieht in der Art,
daß es durch größere Tätigkeit usw. ein größeres Einkommen er-
wirbt und so nach Bezahlung der Steuer doch wieder über das
gleiche Einkommen zur Befriedigung der Bedürfnisse verfügt. Dies
kann auch in der Weise geschehen, daß jemand die auf eine
Steuerquelle gelegte Steuer kapitalisiert und von dem Werte der
Steuerquelle ein für allemal abzieht. Dies ist die Steueramorti-
sation. Wenn z. B. auf ein Grundstück im Werte von 1000000
Mark eine Steuer von 5000 Mark gelegt wird, so wird der Steuer-
träger den kapitalisierten Betrag, also 100000 Mark abschreiben,
sein Vermögen nur mehr auf 900000 Mark veranschlagen, in wel-
chem Falle dessen Rentabilität wieder dem früheren Grade und
dem Rentabilitätsgrade anderer Kapitalien entspricht. Roscher
nennt diesen Vorgang Dekapitl@ation
VUT. Abschnitt.
Sonstige Postulate des Steuerwesens.
l. Postulate. Zu den Postulaten eines rationellen Steuer-
systems gehören noch folgende: 1. Die Mäßigkeit der Steuer;
2. die Bestimmtheit der Steuer; 3. die Billigkeit der Steuer-
eintreibung; 4. der schonende Charakter der Steuereintreibung ,
5. die Beständigkeit des Steuersystems; 6. die Einheitlichkeit des
Steuersystems; 7. die Einfachheit des Steuersystems; 8. die Elasti-
zität des Steuersystems; 9. der ethische Charakter des Steuerwesens.
Diese Postulate sollen hier noch einige Beleuchtung gewinnen. Na-
mentlich in der Kindheit des Steuerwesens finden diese Postulate
wenig Beachtung. Darum vermögen insbesondere einige historische
Daten die Wichtigkeit dieser Postulate zu beleuchten.
2. Die Mäßigkeit der Steuer. Drückende, un-
mäßig hohe Steuern wirken nicht nur volkswirtschaftlich , son-
dern auch politisch verheerend. Die größten politischen Umge-
staltungen, der Fall Athens und Roms, der Ausbruch der großen
französischen Revolution usw. hängen mit der Unerträglichkeit
der Steuer zusammen. In Athen haben die Steuern die Reichen
in solchem Maße bedrückt, daß sie zu Feinden des Staates wur-
den und als es Demosthenes gelang, diesen Übelständen
abzuhelfen, war es schon zu spät. Die Niederlande lehnten sich