T 4. Buch. V. Teil. Die Steuern.
schon unter Napoleon I. erfolgt die Rückkehr zu den indirekten
Steuern. Während der Revolution von 1848 macht sich wieder
für kurze Zeit die Abneigung gegen die indirekten Steuern geltend,
aber nur vorübergehend, dann treten sie wieder in den Vordergrund,
wodurch die Last von den Schultern der Wohlhabenden auf die
der Armeren abgeschoben wird. Lehrreich ist hier die Parallele
zwischen England und Frankreich. England führt in Kriegszeiten
die Einkommensteuer ein, Frankreich dagegen drückende Ver-
zehrungssteuern, England fordert immer mehr von den vermögenden
Klassen den sie betreffenden Teil der Staatslasten, Frankreich
schont die wohlhabenderen Klassen zum Nachteil der Schwächeren;
kein Wunder, wenn in England der soziale Friede auf festerer Basis
ruhte als in Frankreich.
Die französische Steuerpolitik zeichnet sich dem Gesagten ge-
mäß namentlich durch ihren starken Konservativismus aus; die
Grundlagen bleiben bis auf die jüngste Zeit dieselben, die am Ende
des XVIIL Jahrhunderts gelegt wurden. Folge hiervon, daß die
Steuerpolitik mit der volkswirtschaftlichen Entwicklung nicht so im
Einklang steht, wie die englische, ja zum Teil verletzt sie die
Postulate der volkswirtschaftlichen Entwicklung. Desgleichen zeigt
sie wenig Empfänglichkeit für die sozialpolitischen Forderungen der
Zeit, ja aus Furcht vor dem Sozialismus widersetzt sie sich den
wiederholt gemachten Vorschlägen zur Einführung der Einkommen-
steuer. Die Aufrechterhaltung der Ertragssteuern, an welche sich
das französische Volk in Erinnerung der bei den persönlichen
Steuern des ancien regime erfahrenen Willkür klammert, beraubt
die direkten Steuern ihrer Entwicklungsfähigkeit. Das Schwer-
gewicht fällt auf die Verzehrungssteuern und Gebühren, welche zur
Deckung der in exzessivem Maße steigenden Staatsausgaben sich
geeignet zeigten. Die indirekten Steuern zeigen bis gegen Ende
des XIX. Jahrhunderts eine Steigerung von 400 Prozent, die
direkten Steuern von 200 Prozent.
3. Preußen. Für die deutsche Steuerpolitik mag Preußen als
Beispiel dienen. Die Steuerpolitik Preußens zeigt eine stete An-
näherung an die rationellen Forderungen einer gerechten Steuerpolitik.
Fournier de Flaix charakterisiert die preußische Steuerpolitik
folgendermaßen: Die Ideale der französischen Revolution, die Lehren
der französischen Nationalökonomen, das Buch Adam Smith’s,
Jakob, Krug, Kraus, die Lehren der Schüler Kant’s be-
reiteten das Material zur großen Umgestaltung Preußens vor, als
die Krisis von 1806 ausbrach. Diese schreckliche Krise, welche
Preußen beinahe vernichtete, bereitete eine wohltätige Reaktion
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