D. I. Abschnitt. Direkte und indirekte Steuern. 351
welche demoralisierende Wirkung die indirekte Steuer auf das
Volk ausübt.
/. Ergebnisse. Blicken wir auf die bisherigen Erörterungen
zurück, so kommen wir zu dem Resultate, daß dieselben für die
indirekten Steuern sich nicht so günstig gestalten, als dies manche
neuere Forscher und manche Staatsmänner glauben machen wollen.
Daß die indirekten Steuern vorläufig nicht zu entbehren sind,
scheint unzweifelhaft; daß dieselben dort von größerer Bedeutung
sind, wo sich ein Antagonismus gegenüber den direkten Steuern
geltend macht, ist klar. Daß aber dieselben irgendein ideales, voll-
kommenes System der Besteuerung bieten würden, ist falsch.
Es wurden Versuche gemacht zur Festsetzung dessen, in welchem
Verhältnisse direkte und indirekte Steuern in einem rationellen
Steuersystem zueinander stehen sollen. Diese Versuche führten
zu keinem Resultate, konnten dies auch nicht, da dieses Verhältnis
von vielen wechselnden Umständen abhängt. Selbst den Reichtum
des Volkes kann man nicht als alleinigen Faktor betrachten, denn
die Erfahrung zeigt, daß die indirekten Steuern sowohl in reichen
als in armen Staaten eine Rolle spielen.
Das Aufsteigen der Mittelklasse war mit dem Bestreben ver-
bunden, die Steuerlast auf die unteren Klassen abzuwälzen. Dies
zeigte sich in hohem Grade in Holland und England, wo diese
Periode namentlich indirekte Steuern und Stempeln in Anspruch
nimmt. In demokratischen Gemeinwesen und demokratischen
Perioden sind in der Regel die direkten Steuern überwiegend, in
anderen Staaten und Perioden die indirekten Steuern *. Doch zeigt
sich auch eine Gegentendenz. Nachdem die privilegierten Klassen
von den direkten Steuern befreit wurden, konnten sie nur durch
indirekte Steuern herangezogen werden.
Großen Einfluß übt Zu- und Abneigung des Volkes. So sind
z. B. in Ungarn die indirekten Steuern nicht populär gewesen, schon
aus dem Grunde, weil sie zur Zeit des österreichischen Absolutis-
mus dem Lande aufgezwungen wurden. Von Bedeutung sind die
politische Lage, ferner die Lage der Volkswirtschaft; so werden
sie bei sinkenden Preisen, großer Billigkeit leichter zu ertragen
sein, als in teuern Zeiten. Ein größerer Raum kann immerhin
solchen indirekten Steuern eingeräumt werden, die schonend sind.
Die Erfahrung der den indirekten Steuern abgeneigten fran-
zösischen Revolution sprechen dafür, daß die indirekten Steuern
nicht gänzlich zu entbehren sind. wenigstens in einem größeren
') Seligman, Essays on taxätion S. 9.
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