Full text: Finanzwissenschaft

D. VHI. Abschnitt. Steuermonopole. 
VIIL. Abschnitt. 
Steuermonopole. 
l.Begriffund Motivierung. Eine eigenartige, selbständige 
Form der Besteuerung bilden die Finanzmonopole, die Steuer- 
monopole. Wir nennen gewisse Monopole zum Unterschiede von 
Monopolen volkswirtschaftlicher, militärischer Natur usw., Steuer- 
monopole, Finanzmonopole. Das Steuermonopol ist in gewissem 
Maße Rückkehr zum privatwirtschaftlichen Erwerb von Einnahmen, 
ergänzt mit dem Zwecke der Besteuerung. Der Staat sorgt hierbei 
auf dem Wege wirtschaftlicher Tätigkeit, durch Produktion oder 
In-Verkehrsetzung für Gewinnung von Einnahmen, jedoch in der 
Weise, daß er durch Ausschluß der Konkurrenz es ermöglicht, daß 
er die Preise nach Belieben festsetze und ein solches Einkommen 
gewinne, das den regelmäßigen geschäftlichen Gewinn übersteigt 
und zwar in der Weise, daß er den volkswirtschaftlich gestalteten 
Preis durch eine Steuer erhöht. Das Monopol bezweckt die Be- 
steuerung der Konsumtion bei solchen Artikeln, wo eine andere 
Besteuerungsart nicht mit gleichem Erfolge anzuwenden wäre. 
Wenn jene Einwendungen standhalten, die gegen die wirt- 
schaftliche Tätigkeit des Staates ins Feld geführt werden, und. die 
wir an anderer Stelle erörterten, dann sprechen dieselben in vollem 
Maße auch gegen die Monopole. Aber die Kraft dieser Argumente 
hat gegenüber den modernen Gestaltungen des volkswirtschaftlichen 
Lebens im allgemeinen viel verloren. Auf allen Gebieten treten 
monopolistische Organisationen — Kartelle, Trusts, Verbände, Trades- 
Unions usw. — auf und auch die monopolistische Organisation staat- 
licher Unternehmungen — Eisenbahnen, Bergwerke, Wasserkräfte, 
Elektrizitätswerke — ist im Zunehmen begriffen. Halten die zu- 
gunsten der freien Konkurrenz und zuungunsten der Monopole ins 
Treffen geführten Argumente gegenüber den neuen Gestaltungen 
nicht mehr stand, so haben sie ihr Gewicht auch gegenüber den 
Steuermonopolen verloren. 
Größeres Gewicht hat das Argument, daß der Staat oft die 
allerunentbehrlichsten Lebensmittel zum Gegenstande des Monopols 
gemacht hat und so durch deren hohe steuerliche Belastung die 
rationelle Befriedigung der Bedürfnisse erschwerte, ja manchmal 
unmöglich machte. Namentlich dieser Umstand hat die Monopole 
oft verhaßt gemacht, so daß dieselben in einzelnen Fällen sogar 
Revolutionen verursachten. Die Monopole begleitet oft auch der 
Nachteil, daß der Staat, von der Kontrolle der Konkurrenz befreit, 
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