Full text : Finanzwissenschaft

F. I. Abschnitt. Die Grundsteuer. ss
Jahren zu erreichen ist. In der Praxis ist die Grundsteuer häufig
nicht bloß eine Besteuerung der Grundrente, sondern auch des im
Boden liegenden Kapitals und eines Teiles der Arbeit und der
Unternehmertätigkeit. Auch die mit der Landwirtschaft eng zusammenhängenden
 Gebäude, ja gewisse Erwerbszweige können durch
die Grundsteuer erfaßt werden.
„Die Grundrente — sagt Smith!) — ist jene Einkommensart
 — welche eine spezielle Steuer am besten zu tragen vermag.
Es ist dies eine Einkommensart, welche der Eigentümer in vielen
Fällen ohne jede Anstrengung und Sorge genießt. Würde ein Teil
seines Einkommens zur Deckung der Staatsausgaben entzogen, so
würde dies doch keine Erwerbstätigkeit entmutigen. Der geldliche
Ertrag des Bodens in der Arbeit, der reelle Reichtum und das
Einkommen der großen Massen des Volkes würde nach der Besteuerung
 derselbe sein, wie vor derselben.“ Charakteristisch ist zu
diesen Sätzen die Bemerkung Ricardo’s. „Es muß zugegeben
werden, daß die Wirkung dieser Steuern der von Adam Smith
geschilderten entspricht; doch wäre es sehr ungerecht, bloß das
Einkommen einzelner Klassen der Gesellschaft zu besteuern. Die
Staatslasten müssen von Allen im Verhältnis ihrer Mittel getragen
werden. Dies ist eine jener von Adam Smith erwähnten Maximen,
welche alle Besteuerung beherrschen müssen. Die Grundrente
gehört oft Jenen, die nach vieler Jahre Arbeit ihre Gewinne
realisierten und ihr Vermögen im Ankauf von Grund oder Häusern
anlegten (Ricardo selbst war in diesem Fall) und es wäre gewiß
eine Verletzung jenes Prinzips, welches heilig gehalten werden muß,
die Heiligkeit des Eigentums, jene einer ungleichen Besteuerung
zu unterwerfen“ ?),
Nachdem die meisten Staaten bis in die Neuzeit hauptsächlich
Landwirtschaft betrieben, hat die Grundsteuer den überwiegenden
Teil des Steuereinkommens geliefert. Vorteile der Besteuerung von
Grund und Boden sind namentlich folgende: a) die Grundsteuer
liefert ein mehr“ weniger beständiges und nicht unbedeutendes Einkommen;
 b) bei ‚der Beständigkeit und Unveränderlichkeit der
Steuerleistung suchen die Steuerträger durch Erzielung größeren
Ertrags den Druck der Steuer zu vermindern, was die Fortschritte
der Landwirtschaft wesentlich befördert; c) im Laufe der Zeit verwandelt
 sich diese Steuer in eine reale Last, die in den Preis der
Grundstücke eingerechnet wird, wenn sie also auch den ersten Be-A
 Wealth of Nations V, II. S. 356.
2) Works 8. 121.

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