Object: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

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Tonkunst. 
menen „die Anwesenheit einer gewissen, ihnen entsprechenden 
und sie stets begleitenden Stimmung, jedoch traumartig“ fühlte. 
Wird man sich da noch wundern, wenn Hans von Bülow wohl 
an das Orchester die Aufforderung richtete, eine Stelle „mehr 
rot oder grün“ zu spielen? Schreibt doch schon der Kapell⸗ 
meister Kreisler in Hofmanns „Elixiren des Teufels“ an Wall—⸗ 
born: „Auch hatte ich gerade ein Kleid an, dessen Farbe in 
Ois-moll geht, weshalb ich zu einiger Beruhigung der Zu— 
schauer einen Kragen aus F-dur-Farbe darauf setzen lassen.“ 
Nun sind diese Fälle gewiß auch heute noch vielfach als 
extrem zu bezeichnen. Und Leute, die, wie Huysmans Roman—⸗ 
held des Esseintes!, in jedem Likör ein anderes Instrument 
hören, im Curaçao eine Klarinette, im Kümmel eine Oboe, im 
Anisette eine Flöte, die deshalb ihren Schnapsschrank mit 
Recht eine orgue aux liqueurs nennen und sich durch 
Mischung seines Inhalts den häuslichen Genuß eines mächtigen 
Orchesters verschaffen können, — solche Leute wird es wohl 
in Deutschland noch nicht geben. Wohl aber trifft man 
zganz allgemein auf Erscheinungen, die, wenn auch nicht gleich 
tark ausgesprochen, doch auf einen gegenüber früheren Zeiten 
viel entschiedeneren Zusammenhang der einzelnen physio— 
logischen und psychischen Funktionen hinweisen. Und von diesen 
Erscheinungen sind zwei, unter sich nahe verwandte für die 
künstlerische Entwicklung der Gegenwart von größter Bedeutung 
geworden. Die eine besteht darin, daß sich die einzelnen Künste 
in ihren Ausdrucksweisen wie in dem erstrebten Erfolge dieser 
in einer Weise einander nähern, die, außer der Urzeit, keine 
frühere Periode gekannt hat?. Und die andere liegt in der 
schon viel früher wahrnehmbaren, jetzt aber besonders weit 
berbreiteten Thatsache vor, daß künstlerisch begabte Menschen 
1 Das Modell ist der Graf Robert Montesquiou, von dem wir ein 
schönes Porträt von Whistler haben. 
» Auf diesen Punkt braucht hier nicht genauer eingegangen zu 
verden, da er ganz neuerdings in einem Aufsatz Platzhoffs im Kunst— 
wart (herausgegeben von F. Avenarius) 1901 S. 317 ff. (Januarhefte) 
eingehend und geistreich behandelt worden ist.
	        
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