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Tonkunst.
menen „die Anwesenheit einer gewissen, ihnen entsprechenden
und sie stets begleitenden Stimmung, jedoch traumartig“ fühlte.
Wird man sich da noch wundern, wenn Hans von Bülow wohl
an das Orchester die Aufforderung richtete, eine Stelle „mehr
rot oder grün“ zu spielen? Schreibt doch schon der Kapell⸗
meister Kreisler in Hofmanns „Elixiren des Teufels“ an Wall—⸗
born: „Auch hatte ich gerade ein Kleid an, dessen Farbe in
Ois-moll geht, weshalb ich zu einiger Beruhigung der Zu—
schauer einen Kragen aus F-dur-Farbe darauf setzen lassen.“
Nun sind diese Fälle gewiß auch heute noch vielfach als
extrem zu bezeichnen. Und Leute, die, wie Huysmans Roman—⸗
held des Esseintes!, in jedem Likör ein anderes Instrument
hören, im Curaçao eine Klarinette, im Kümmel eine Oboe, im
Anisette eine Flöte, die deshalb ihren Schnapsschrank mit
Recht eine orgue aux liqueurs nennen und sich durch
Mischung seines Inhalts den häuslichen Genuß eines mächtigen
Orchesters verschaffen können, — solche Leute wird es wohl
in Deutschland noch nicht geben. Wohl aber trifft man
zganz allgemein auf Erscheinungen, die, wenn auch nicht gleich
tark ausgesprochen, doch auf einen gegenüber früheren Zeiten
viel entschiedeneren Zusammenhang der einzelnen physio—
logischen und psychischen Funktionen hinweisen. Und von diesen
Erscheinungen sind zwei, unter sich nahe verwandte für die
künstlerische Entwicklung der Gegenwart von größter Bedeutung
geworden. Die eine besteht darin, daß sich die einzelnen Künste
in ihren Ausdrucksweisen wie in dem erstrebten Erfolge dieser
in einer Weise einander nähern, die, außer der Urzeit, keine
frühere Periode gekannt hat?. Und die andere liegt in der
schon viel früher wahrnehmbaren, jetzt aber besonders weit
berbreiteten Thatsache vor, daß künstlerisch begabte Menschen
1 Das Modell ist der Graf Robert Montesquiou, von dem wir ein
schönes Porträt von Whistler haben.
» Auf diesen Punkt braucht hier nicht genauer eingegangen zu
verden, da er ganz neuerdings in einem Aufsatz Platzhoffs im Kunst—
wart (herausgegeben von F. Avenarius) 1901 S. 317 ff. (Januarhefte)
eingehend und geistreich behandelt worden ist.