F. IV. Abschnitt. Die einmaligen Vermögenssteuern (Vermögensabgaben). 467
schwere Last der Vermögenssteuer der baldigen Wiederkehr der
Kriegszeiten einen kräftigen Riegel vorschieben würde. Ricardo’
Vorschlag hängt eng mit seinem freihändlerischen Standpunkt zu-
sammen, da er namentlich die die Handelsfreiheit hemmenden
Zölle beseitigt sehen wollte !), was aber nur dann geschehen kann,
wenn eine einmalige Vermögensabgabe es möglich macht, ‚die zur
Deckung der Kriegskosten eingeführten indirekten Steuern und
Zölle abzubauen. KEigentümlicherweise kommt Ricardo mit sich
selbst in Widerspruch; denn im VIII. Kapitel seines Werkes, wo
er im allgemeinen von den Steuern spricht, erklärt er sich gegen
jede Besteuerung des Vermögens, des Kapitals, da hierdurch von
Jahr zu Jahr jener Stock vermindert wird, welcher der Produktion
und Konsumtion dient. Ja er weist sogar darauf hin, daß der
Wunsch jedes Individuums, seine materielle Lage zu behaupten, zu
dem Streben führt, jede Steuer, mag sie auch auf das Vermögen
gelegt sein, zu einer Einkommensteuer zu gestalten. „Es müßte
die Politik jeder Regierung sein, dieses Bestreben der Bevölkerung
zu befördern und niemals solche Steuern einzuführen, die unver-
meidlich auf das Vermögen (Kapital) fallen.“ Bei der Beurteilung
des Ricardo’schen Standpunktes ist jedenfalls in Betracht zu
ziehen, daß die Belastung des englischen Nationaleinkommens durch
Steuern zur Verzinsung der infolge der Napoleonischen Kriege auf
über 800 Millionen £ angewachsenen Schuld außerordentlich hoch
war, etwa ein Viertel bis ein Drittel des Nationaleinkommens in
Anspruch nahm. "Trotz der hohen Autorität Ricardo’s wurde
sein Vorschlag nicht angenommen. Er selbst zweifelte an der An-
nahme desselben mit der Bemerkung, daß kaum so viel Tugend
und Weisheit zu finden sein wird, die zur Durchführung dieses
Vorschlages notwendig wären. Aber die schweren Folgen, die
Ricardo von der Zurückweisung der einmaligen Vermögensabgabe
befürchtete, sind nicht eingetreten, im Gegenteil nahm England da-
mals den kolossalen Aufschwung, dem es seine dominierende Stel-
lung in der Weltwirtschaft zu verdanken hat. Nebenbei soll nur
bemerkt werden, daß sich so manches gegen die Begründung ein-
wenden ließ, wie ja schon die Voraussetzung gewagt ist, daß die
in natura zur Verfügung gestellten Vermögensteile ihre Abnehmer
finden würden, vorerst insofern, als ja die Abnehmer von Staats-
papieren zum großen Teil einer anderen Kategorie angehören, als
diejenigen, die reale Vermögensgegenstände suchen usw.
') „Our commerce would be extended without being subject to all the
vexations delays and interruptions which our present artificial system imposes
upon it“ (Works, S. 546).
30*