=» 4 5. Buch. Der Staatskredit.
stützen, in friedlichen Zeiten auf die rasche und ansehnliche Ver-
mehrung ihres Vermögens rechnen können. Dies ist aber nur recht
und billig, denn es ist. Ja mit großer Gefahr verbunden, dem Staate
in trüben Zeiten Geld zur Verfügung zu stellen, das die Not und
Gefahr beseitigen hilft. Übrigens ist darauf hinzuweisen, daß der
Staatskredit nicht minder die Schaffung kleiner Vermögen befördert,
da Viele, die nicht in der Lage sind, größere Kapitalien zur
Gründung von Unternehmungen usw. anzusammeln oder deren Beruf
hiervon abhält, in bescheidenen Summen Vermögen ansammeln, das.
sonst nicht entstanden wäre, da dieselben zu anderen Schuldnern,
Privaten, Aktiengesellschaften usw. kein Vertrauen haben. Darum
ist es auch ganz besonders wünschenswert, daß die Staatsschuld in
die breiten Schichten des Volkes eindringe. Freilich hat das auch
manchen Nachteil. Erstens aus dem Grunde, weil je größer die
Zahl der Staatsgläubiger, desto größer ist auch die Zahl derjenigen,
die von Rentenbezügen arbeitslos leben, was viel Arbeits- und
Kapitalkraft von produktiven Verwendungen ablenkt. Auch po-
litisch. zeigt sich Gefahr, denn die Menge ist durch Vorgaukeln
von Hoffnungen oder durch Andeutung von Gefahren leicht zu
beeinflussen. Finanziell ist jedenfalls eine stark pulverisierte
Staatsschuld kostspieliger zu verwalten. Jede Staatsschuld ruft
natürlich soziale Interessengegensätze hervor, da ein Teil der Be-
völkerung Gläubiger, der andere Schuldner des Staates ist, welch
letzterer in der Steuer für die Befriedigung der ersteren zu sorgen
hat, und da die letzteren natürlich die mit großen Vermögen Ge-
segneten sind, so vermehrt der Staatskredit jene Faktoren, welche
soziale Reibungen hervorrufen und führt zu dem Bestreben, den
Staat dem einen oder dem anderen Interesse zu unterwerfen. Schon
Haller befürchtet, daß die Staatsschuld die Gesellschaft in zwei
Lager teilt. Richelieu, Robespierre, Rothschild sind
nach Heine jene drei terroristischen Namen, welche die gradweise
Vernichtung der Aristokratie bedeuten, Europas fürchterlichste
Nivelleure. Die soziale Stellung der Kapitalistenklasse ist mit dem
Staatsschuldenwesen parallel gestiegen. Das Staatsschuldenwesen
hat auch viel zur Besserung der rechtlichen Stellung des Juden-
tums beigetragen.
In welcher Weise der Weltkrieg die Staatsschuld demokratisiert
hat, dafür sollen folgende Zahlen genügen: Es betrug in Deutsch-
land das Prozent der kleinen Zeichner (bis 2000 Mark):
bei der I. Anleihe 78,0
TE
ya A 5 83,0 usw.
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