4. Buch. Der Staatskredit,
bewahrt den Staat vor dem Übel eines übertriebenen und unge-
ordneten Staatskredites. Im Jahre 1830 beträgt die jährliche Last
der französischen Staatsschuld bloß 164*, Millionen Franc, ein
Viertel der englischen Staatsschuld. Trotzdem war der Staatskredit
noch sehr kostspielig; der Emissionskurs des 5prozentigen An-
lehens schwankte zwischen 52,50—67,60; aber schon im Jahre 1830
wird ein 4prozentiges Anlehen zu 102,07'/,,.im Jahre 1832 ein
5 prozentiges zu 98,50 emittiert. Der Staatskredit zeigt unter dem
Einflusse der politischen Verhältnisse ein stetes Schwanken; nach
der Julirevolution erlitt der Staatskredit eine mächtige Erschütterung;
das 5 prozentige Anlehen konnte nur zum Kurse von 84 emittiert
werden, dagegen wird im Jahre 1870 die 3prozentige zu 86,65
emittiert. Welcher Fortschritt, wenn vor Augen gehalten wird,
daß im Jahre 1814 die 5prozentige zu 45 stand! Während der
Regierung des Bürgerkönigs wurde der Staatskredit nur wenig in
Anspruch genommen; Ludwig Philipp übernahm eine jährliche
Last von 164*/, Millionen, hinterließ 1848 eine Last von 177 Millionen;
die jährliche Last hat also bloß um etwa 1,2 Millionen zugenommen.
Die Republik hat die Staatsschuld bedeutend vermehrt und
Napoleon III. übernahm eine jährliche Last von 231 Millionen.
Das zweite Kaisertum hat den Staatskredit in weitestem Maße ın
Anspruch genommen, was einerseits die kolossale Steigerung der
Staatsausgaben im allgemeinen, dann Kriege und bedeutende öffent-
liche Arbeiten, andererseits die große Scheu dieses Systems vor
Anspannung der Steuern verursachten, welche während dieser
Periode eher abnahmen. Als Fehler dieser Periode bezeichnete
Leroy-Beaulieu den Umstand, daß man sich an den 3 prozentigen
Typus klammerte, wodurch der Staat gezwungen war, die Anlehen
zu außerordentlich niedrigem Kurse — 60,50 bis 69,25 Franc —
zu emittieren. In zwei Fällen wurden Konversionen durchgeführt,
die wohl die jährliche Last verminderten, aber insoferne eine un-
richtige Methode befolgten, als dagegen das Schuldkapital erhöht
wurde. Diese Anlehen waren öffentliche Anlehen, die nach An-
sicht Leroy-Beaulieus in Frankreich nur ungünstige Resultate
ergaben. Am Ende des zweiten Kaiserreiches beträgt die jährliche
Last 360 Millionen Frank. Sie ‘ist also innerhalb 20 Jahren um
beiläufig 130 Millionen gestiegen. Im Verhältnis zu anderen Staaten
und im Verhältnis zum Volksreichtum war die Schuld immerhin
eine mäßige. Hrst der deutsch-französische Krieg verursachte ein
immenses Anwachsen. Frankreich war jetzt jenes Land in Europa,
das mit der größten Staatsschuld belastet war. Nach Leroy-
Beaulieu betrug die Staatsschuld ein Sechstel des Volksvermögens
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