IIT. Abschnitt. Geschichte des Staatskredites. SM
reduktion durchführbar war. Ein wichtiges Datum in der Geschichte
des österreichischen Staatskredites ist das Jahr 1761, da in diesem
Jahre gegen Gutstehung der Stände ein Anlehen zustande kam,
welches daher im wahren Sinne des Wortes ein Staatsanlehen war
und damals geschah es zum ersten Male, daß die Schuldpapiere
mit Coupons versehen wurden. In diese Zeit fällt eine Zinsen-
reduktion, in deren Folge der Zinsfuß auf 4 Prozent herabgesetzt
wurde. Auch die Tilgung wurde energischer fortgesetzt. Aber
bald wurde das Staatsschuldenwesen durch die Ausgabe von Papier-
geld in eine gefährliche Richtung gedrängt, welche den Staat an
den Rand des Bankerottes brachte. Erst im Anfange des 19. Jahr-
hunderts gelang es durch Errichtung der österreichischen National-
bank und der ihr anvertrauten Einlösung des Papiergeldes dem
UÜbel einigermaßen zu steuern. Die folgende Periode charakterisiert
insbesondere die angestrebte Tilgung der bestehenden Anlehen,
namentlich mit Hilfe des öfters von neuem organisierten Tilgungs-
fonds. Ein wichtiges Ereignis war die Aufnahme des sogenannten
Nationalanlehens (1854), mit welchem an den Patriotismus der Be-
völkerung appelliert wurde. Die Einzahlung konnte in fünf Jahren
in zehn Raten erfolgen, außerdem wurden andere Erleichterungen
gewährt, namentlich den Beamten, Militärs usw. Im ganzen wurden
611 Millionen Gulden emittiert; an der Subskription nahmen mehr
denn 1'/, Millionen Personen teil. Der Subskriptionskurs war 95.
Eine Spezialität Österreichs ist es gewissermaßen, daß bei Emission
von Anlehen öfters auf die Spielleidenschaft spekuliert wurde, daher
Prämienanlehen. Im Jahre 1868 erfolgte die Unifizierung der
Staatsschulden verschiedenen Charakters und zwar als Rentenschuld.
Die günstigen Verhältnisse der spätern Jahre wurden zu bedeutenden
Konversionen benutzt.
Die Zunahme der Staatsschuld zeigt folgende Zusammen-
stellung Mensi’s:
1522 2 Millionen Gulden
1612 807. S
1711 Öl E
1755 118010 ?
1800 605 11 7 N
1810 650,2 * n
1847 11801 .
1858 20365 n
1867 30253 } n
5. Ungarn. Das Initiale des ungarischen Staatskredites bildet
das im Jahre 1868 aufgenommene Eisenbahnanlehen, mit welchem
der Grundstein zum ungarischen Staatsbahnnetz gelegt wurde.
Die emittierten Titres repräsentierten einen Nominalwert von 85.1
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