E 5. Buch. Der Staatskredit.
Millionen Gulden: der Zinsfuß betrug 5 Prozent. Die Emission
erfolgte zu dem durchschnittlichen Kurs von 72,22, demgemäß be-
trug der effektive Zinsfuß 6,92 Prozent. Die Emissionskosten be-
trugen 3,7 Millionen Gulden. Es ist hieraus zu ersehen, daß die
Zweifel des Geldmarktes gegenüber dem geschaffenen neuen dua-
listischen Staatssystem genügend zum Ausdruck kamen. Hierzu
kommt, daß die zu bauenden Bahnen als Pfand dienen sollten. Die
Emission nahm einen sehr schleppenden Gang. In den folgenden
Jahren hat dann mit den ungünstigeren Gestaltungen im Staats-
haushalt die Situation sich noch verschlimmert. Abgesehen von
kleineren Anlehen, dem Gömörer Prämienanlehen, dem 30- und 50-
Millionen-Anlehen, wurden im Jahre 1873 153 Millionen Gulden
Schatzscheine zu sehr drückenden Bedingungen emittiert. Der
Zinsfuß betrug 6 Prozent, der Emissionskus 85'/, und 86*/„, der
effekte Zinsfuß also 7,5 Prozent; die jährliche Last aber infolge
der raschen Tilgung 10,89 Prozent. Die Schatzscheine bildeten eine
schwebende Schuld, die innerhalb 5 Jahren zurückgezahlt werden
sollte. Die Staatsdomänen mußten als Pfand gelten. Das Prestige
des ungarischen Staatshaushaltes war in solcher Decadence, daß in
der großen Regierungspartei sich kein Aspirant auf das Finanz-
portefeuille fand und schließlich der Ministerpräsident dasselbe
übernehmen mußte. Die drückende und beschämende Schuld mußte
‚ehestmöglich selbst in der Erinnerung verlöscht werden. Dies ge-
schah im Jahre 1881 mit Emission der 4prozentigen Goldrente.
Die Schuldenlast stieg um 145 Millionen Gulden, die Zinsenlast
sank von 24 Millionen Gulden auf 21,8 Millionen Gulden.
Aus dieser höchst ungünstigen Periode des Staatskredites schritt
der Staat nur langsam zu günstigeren Verhältnissen, was teils Folge
der vorsichtigeren Führung des Staatshaushaltes, teils Resultat der
allgemein günstigeren Gestaltung der Kreditverhältnisse war. Die
Schaffung der Goldrente bildete den Wendepunkt. Der Staats-
haushalt wird nicht wieder mit der Tilgung belastet, ja vielleicht
wurde nur zu krampfhaft an dieser Art der Schuldaufnahme fest-
gehalten. In den achtziger Jahren. beginnt auch in Ungarn die
Periode der Konversionen. Es wurde jetzt die 5 prozentige Papier-
rente geschaffen und gegen Ende der achtziger Jahre zeigt sich
infolge der Konversionen eine Abnahme der jährlichen Zinsenlast
um 8,1 Millionen Gulden.
6. Rußland. In Rußland zeigt die Geschichte der Staats-
schuld im großen ganzen ähnliche Verhältnisse wie in anderen
Staaten. Die Not zwang oft zur Aufnahme von Anlehen, die in
vielen Fällen von der reichen Geistlichkeit vorgestreckt wurden.
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