Full text: Finanzwissenschaft

IV. Abschnitt. Die verschiedenen Arten der Staatsschulden. 609 
fassung der Nation zum Ausdruck kommt. Freilich spielen hier 
viele Momente eine Rolle; die öffentliche Meinung kann durch die 
Presse und die Manöver der Finanzkreise irregeführt werden. Den 
zugunsten der öffentlichen Subskription sprechenden Momenten 
gegenüber kommt hinwieder folgendes in Betracht: a) Dem Bankier 
wird es natürlich auch bei öffentlichen Subskriptionen möglich sein, 
große Summen zu zeichnen, während der kleine Mann das Heran- 
drängen, Warten, den Zeitverlust scheut und sich dann doch lieber 
wegen Ankauf an die Banken wendet. b) Die Banken werden doch 
die Lage des Geldmarktes in der Regel besser kennen, die Be- 
dingungen, welche zu stellen sind, den Zeitpunkt, der zur Emission 
geeignet, während der Staat drückendere Bedingungen, einen höheren 
Zinsfuß, akzeptiert, als es den Verhältnissen entspricht und so das 
Anlehen teuerer bezahlt. Dieser Nachteil wird einigermaßen ver- 
mieden, wenn der Staat die minimalen Bedingungen feststellt und 
jenen den Vorzug gibt, die günstigere Bedingungen einräumen. 
c) Die Zurückhaltung des Publikums kann eventuell wichtige Ziele 
der Regierung kompromittieren, die durch das Anlehen befördert 
werden sollten. Gewiß kann es auch vorkommen, daß die erhofften 
Vorteile der öffentlichen Subskription gänzlich ausbleiben, daß von 
der ganzen Operation nichts anderes bleibt, um die Worte Leroy- 
Beaulieu’s zu gebrauchen, als „un gigantesque humbug“. Bei 
den öffentlichen Subskriptionen befördert der Staat selbst zuweilen 
die Konkurrenz der größeren Institute, indem er den Zeichnern 
größerer Summen eine Prämie bietet (in Nordamerika 1; Prozent), 
welche manchmal im Verhältnis der gezeichneten Summe wächst. 
Bei den großen Kriegsanlehen hat in den Staaten der Zentral- 
mächte das Subskriptionsanlehen gesiegt und glänzenden Erfolg 
erreicht. In Deutschland, Österreich und Ungarn wurden Summen 
aufgebracht, von denen sich die kühnste Phantasie nicht träumen 
ließ. Bei den Kriegsanlehen wurden den Unterzeichnern große 
Vorteile geboten, namentlich wurde die Lombardierung der ge- 
zeichneten Effekten bei der Notenbank zu einem mäßigen Zinsfuß 
gesichert. Bei voller Ausnutzung aller Begünstigungen konnte in 
Ungarn eine Verzinsung von 8—10 Prozent erreicht werden. 
4. Emissionskurs. Bei der Emission ist die Modalität 
von Wichtigkeit, ob die Titres zum Nominale emittiert werden, 
oder unter dem Nominale. Im ersten Falle muß natürlich der 
Zinsfuß je nach der Lage des Geldmarktes wechseln, während die 
Papiere immer zum Parikurs emittiert werden, im zweiten Falle 
dagegen kann der Zinsfuß unveränderlich bleiben und der Kapital- 
wert der Titres drückt die verschiedene Lage des Geldmarktes usw. 
Földes, Finanzwissenschaft. 2. Aufl. 
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