VI. Abschnitt. Die Kriegsanlehen. 67
Kriegsanlehen in Anspruch genommen wurden, bei den deutsch-
böhmischen Sparkassen 40 Prozent. Die Tschechen waren auf der
Seite der Feinde der Monarchie, dies erklärt das Verhalten.
Es kommt namentlich auf die Vorteile an, welche den Staats-
gläubigern geboten werden. Dies lehrte auch der Weltkrieg. Die
Vorteile, welche geboten wurden, und sonstige Verfügungen, waren
namentlich folgende: 1. Billige Lombardierung bei der Notenbank;
2. Annahme an Zahlungs Statt bei Anlehen, Steuern usw.; 3. Be-
günstigungen bei der Einkommensteuer, Steuerfreiheit; 4. Bevor-
zugung bei Ankauf von Kriegsmaterial bei der Sachdemobilisation;;
5. Einzahlung mit den Titres älterer Anlehen; 6. Verbot der Pla-
cierung von Ersparnissen in anderen Titres; 7. Verbot des Verkaufs
der Titres; 8. Beschränkung der Kreditbewilligung der Banken
durch obligatorische staatliche Genehmigung; 9. Hintanhaltung von
Kursverlusten usw. Auf letzteres wurde große Aufmerksamkeit
verwendet, insbesondere in Deutschland und England. Bei dem so-
genannten Victory loan wurde monatlich !% Prozent der Anleihe
zur Vermeidung eines Kursfalles zurückgelegt.
Die speziellen Verhältnisse der einzelnen Staaten, wie die ver-
schiedenen politischen Verhältnisse haben natürlich einen weitgehen-
den Einfluß auf das Kriegsschuldenwesen ausgeübt. In Frankreich
hat man lange nicht den Weg der Anlehen beschritten, weil man,
solange das Moratorium währte, einen Mißerfolg befürchtete, da
die Spareinlagen nicht zur Verfügung standen. In England hat
man vermieden, Appoints unter 100 £ zu emittieren, um die
kleinen Zeichner auszuschließen, weil man die Sparkassen nicht
dem Run der Einleger aussetzen wollte, da England das Mora-
torium vermied. Auch wollte man nicht, daß die Einlagen aus der
Postsparkasse, wo der Staat bloß 27 Prozent zahlte, herausge-
nommen werden, und ihm zu 4 Prozent und mehr angeboten werden
sollen. Frankreich hat überdies in hohem Maße den Kredit der
Notenbank in Anspruch genommen und hat das Maximum des
Notenumlaufes, das vor dem Kriege 6 Milliarden betrug, auf
30 Milliarden erhöht. Auch England hat sich vor allem des kurz-
fristigen Kredites bedient und ging nur widerstrebend zu konsoli-
dierten Anlehen über. Bald stellte sich die Notwendigkeit ein, im
Auslande Darlehen aufzunehmen und Bedingungen zu akzeptieren,
die früher wohl für unmöglich gehalten worden wären. Dagegen
hat England die Notenbank geschont und den Umlauf der fidu-
ziaren Geldzeichen nicht übermäßig gesteigert. Deutschland und
seine Verbündeten Österreich-Ungarn haben infolge der günstigen
Kriegslage der ersten Jahre hauptsächlich aus konsolidierten An-
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