€ 5. Buch; Der Staaftskredit.
lehen geschöpft. Aber in allen Staaten war in einzelnen Phasen
des Krieges der Kredit nur mit der größten Anstrengung in Be-
wegung su setzen. Wir resumieren kurz einige wichtigere KEr-
fahrungen des Staatskredites.
2. England. England hat in großem Maße der schwebenden
Schuld sich benützt, um die Kriegskosten zu decken. Man führte
hierfür verschiedene Gründe an, so: daß man nach Beendigung des
Krieges in der Lage sein werde, billigere Anlehen zu kontrahieren,
dann, daß der Krieg ein Geschäft sei, das sich selbst erhalten
muß usw. Es kann aber kaum bezweifelt werden, daß auch der
Mißerfolg der ersten Emission von langfristigen Schuldscheinen im
November 1914 auf die vorwiegende Inanspruchnahme von kurz-
fristigem Kredit in der Form von Schatzscheinen (Treasury Bonds)
hinwies, was sich in den Resultaten ausdrückt, daß bis März 1918
von der gesamten Kriegsschuld etwas weniger als die Hälfte
(105—43 Milliarden Mark) mittels langfristiger Anlagen beschafft
wurde. Anfangs des Jahres 1915 wurden kurzfristige Schatzscheine
ausgegeben, die bei der außerordentlichen Geldplethora zu billigen
Sätzen (21!/,—3%g) placiert wurden. Dagegen wurde eine lang-
fristige Anlehe zu dem hohen Zinsfuße von 4, Prozent — was
als finanzielles Ereignis von der größten Bedeutung galt —, die
im Juni 1915 emittiert wurde und bei welcher Papiere aus früheren
Emissionen an Zahlungs Statt angenommen wurden (mit der Ver-
pflichtung einen gleich hohen Betrag zu zeichnen), mit weniger Er-
folg emittiert; es flossen 600 Mill. £ ein, wovon aber 340 Mill. £
abzuziehen sind, in welchem Betrage Papiere früherer Emissionen
zur Einzahlung verwendet wurden. Es kam dann, neben der Aus-
gabe der kurzfristigen Treassury Bonds, zur Ausgabe von 2—5 Jahre
laufender Exchequer Bonds mit einem Zinsfuß von 5 Prozent.
Schon Mitte des Jahres 1916 stiegen die Schwierigkeiten der Geld-
beschaffung in dem Maße, daß 6prozentige Exchequer Bonds aus-
gegeben werden mußten, für das stolze Albion ein harter Schlag.
Bald wurden neue Typen geschaffen: War Expenditure Certificates
und War Savings Certificates. Die letzteren wurden zu 1 .£ aus-
gestellt, bei einer Einzahlung von 15,5 sh, nach fünf Jahren rück-
zahlbar, was einer Verzinsung von nahe 7 Prozent gleichkommt.
Eine neue Anleihe wurde im Februar 1917 kontrahiert; es wurde
eine 5- und steuerfreie 4prozentige Anleihe aufgelegt. Auf die
steuerfreie Anleihe wurden nur 22,6 Mill. £ bar und 28,7 Mill. £
in Umtausch gezeichnet; auf die 5 prozentige 836 Mill. £ an neuem
1) Siehe namentlich Prion, Steuer- und Anleihepolitik in England wäh-
rend des Krieges (Berlin 1918).
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