Full text : Finanzwissenschaft

VI. Abschnitt. Die Kriegsanlehen. '
Gelde. Bei einer neuen Anleihe (Oktober 1917) wurde die Rückzahlung
 zu einem bestimmten Kurse festgelegt, und eine einkommensteuerfreie
 Serie emittiert. Die englische Regierung hat es nicht
unterlassen, mit allen Mitteln zur Subskription anzuregen, auch mit
Androhung von Zwangsmaßregeln. Auch Zwangs- und Prämienanlehen
 kamen in Vorschlag. Es wurde darauf hingewiesen, daß
bei Mißerfolg der Anlehen zu solchen Mitteln gegriffen werden
müßte, die neue Kaufkraft schaffen und so neue Preissteigerung
hervorrufen würden. Es mußte der Minimalkurs der Konsols festgesetzt
 werden (66*/,). Erfolgreicher als die innere, war die äußere
Anlehenspolitik, die namentlich die Zahlungsmittel für Käufe an
Lebensmitteln, Munition usw. liefern sollte. Von der Einziehung
aller ausländischen Guthaben abgesehen, wurden bedeutende Anlehen
 kontrahiert. Die erste Anleihe wurde mit Frankreich gemeinsam
 aufgenommen im Betrage von 500 Mill. Dollar auf 5 J ahre;
1916 wurden zwei Anlehen aufgenommen, zu 250 und 300 Mill. Dollar.
Für beide Anlehen mußten Wertpapiere, hauptsächlich neutraler
Staaten als Sicherheit hinterlegt werden, für beide Anlehen im
Betrage von 660 Millionen Dollar (!). Es wurden ferner Anlehen
in Japan, Kanada, Norwegen, Holland usw. aufgenommen. Außerdem
 nahm die Bank von England in Amerika Vorschüsse auf und
wurde auch der Einzelkredit stark in Anspruch genommen. Die
Verbündeten mußten von ihrer Notenreserve an England abgeben,
das wieder immense Beträge an Gold nach Amerika zu senden hatte.
Die Lage gestaltete sich oft höchst schwierig; England sollte den
Bedarf an Kriegsmaterial beschaffen, aber auch Soldaten geben,
nun konnte jedes der Ziele nur auf Kosten des anderen befriedigt
werden. England mußte seinen Besitz an ausländischen Wertpapieren
versilbern. Bloß bis Ende 1916 wanderten von diesen Wertpapieren
8 Milliarden nach Amerika.
Die bedeutendsten Kriegsanlehen Englands waren:
4'/2 prozentige Kriegsanleihe 899,9 Mill. £
5 prozentige Exchequer Bonds 16B BE a m
Schatzwechsel 559,9. il
Victory Loan 966,0.
3. Frankreich. Frankreich hat bei Ausbruch des Krieges
hauptsächlich die Bank in Anspruch genommen, wenn auch, wie
J&ze sagt, mit einer großen Vorsicht, um nicht eine neue Periode
der Assignaten heraufzubeschwören. Außerdem wurden Schatzscheine
 ausgegeben und namentlich zur Bezahlung der Heereslieferungen
 verwendet. Dann wurden Darlehen bei den Privatdepots
verwaltenden öffentlichen Kassen aufgenommen, eine alte Sitte, der

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