61 5. Buch. Der Staatskredit.
flation eine Grenze setzen. Dieser Einfluß auf die Menge der
Zirkulationsmittel ist aber kein bloß negativer. Denn aus Anlaß
der Einzahlung der Kriegsanleihen fließen große Beträge an Zir-
kulationsmitteln zu den Emissionsstellen zurück, wodurch der Ver-
kehr bedeutend entlastet wird.
Die Wirkung dieses Zusammenhanges zwischen Kriegsanleihen
und Geldverkehr läßt sich noch weiter verfolgen. Durch die Kon-
traktion des Geldverkehrs wurde vor allem der weiteren Steigerung
der Preise, die vernichtend auf der Konsumtion der Kriegsjahre
lastete, Einhalt geboten. Auch die Besserung der Valuta, die die
unumschränkten Emissionen gefährden würden, wirkte günstig auf
den Abbau der Preise. Die fortschreitende Entwertung der Zahlungs-
mittel würde überdies den Staat zu einer entsprechenden Steigerung
der Steuerlast genötigt haben. Die Kriegsanlehen hatten also den
Nutzen, daß sie die Verschlechterung der Valuta und damit die
Steigerung der Preise einschränkten und die infolge der Ent-
wertung der Zahlungsmittel nötige Steigerung der Staatseinnahmen
zurückhielten.
Ein ganz besonderes Gewicht ist auf die sozialpolitische Seite
der Kriegsanlehen und namentlich auf ihren Einfluß bezüglich der
Vermögensverteilung zu legen. Natürlich unterliegt es keinem
Zweifel, daß die Anleihen im allgemeinen, also auch die jetzigen
Kriegsanleihen die Macht des mobilen Vermögens steigern.
Was nämlich den Einfluß der Kriegsanleihen auf die Ver-
mögensverteilung betrifft, so ist — wie wir oben sahen — auf Grund
älterer Erfahrung die Annahme allgemein, daß die Anleihen die
Verteilung der Vermögen ungünstig beeinflussen, indem sie zur
Neubildung großer Vermögen Anlaß bieten. Was aber die Kriegs-
anleihen anbelangt, so ist es zu konstatieren, daß die Teilnahme
breiter Schichten der Bevölkerung die Gefahr fernhielt, das Ver-
hältnis der einzelnen Vermögensklassen zueinander ungünstig zu
verändern. Wenn auch die großen Vermögen unter den Zeichnern
der Kriegsanleihen stark vertreten waren, so ist es doch gewiß,
daß die großen Privatvermögen — von Gesellschaften, Instituten,
Korporationen abgesehen — eher unter als über ihrer Proportio-
nalität blieben.
Zu den Folgen der Kriegsanlehen gehört — direkt und in-
direkt — eine Tendenz zur Steigerung der Konsumtion, deren
Wirkung infolge der durch den Krieg verursachten Minderung der
Produktion und Einfuhr und des dadurch verursachten Waren-
mangels sich noch potenzierte. Gesteigert wurde die Konsumtion
durch die mittels der Kriegsanlehen erhöhte Zahlungsfähigkeit des
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