Full text : Finanzwissenschaft

64 5. Buch. Der Staatskredit.
Staat Deckung für wichtige Reformen, so Österreich-Ungarn für
die Valutareform. = 7 . /
3. Geschichte der Konversionen. Überblicken wir des
nähern die Geschichte der wichtigsten Konversionen, so begegnen
‚wir in England der ersten Konversion im Jahre 171%. Dieselbe
war die notwendige Folge der Herabsetzung des gesetzlichen Zinsfußes
 von 6 Prozent auf 5 Prozent, da es rein unmöglich war, daß
der Staat weiter 6 Prozent bezahle. Walpole setzte die Konversion
 erfolgreich durch, der Staat erreichte ein bedeutendes Zinsenersparnis,
 wenige Gläubiger forderten die Rückzahlung der Schuld.
Die Staatsgläubiger sahen ein, sagt Leroy-Beaulieu, daß der
Staatskredit hierdurch erstarke. Die Konversion wurde erfolgreich
‚auch bei solchen Titres durchgeführt, die unkündbar waren. Im
Jahre 1737 war der Kurs eines im Jahre 1726 emittierten 3pro-;zentigen
 Anlehens 107, es war also günstige Gelegenheit, die
4 prozentige Schuld zu konvertieren, doch wurde dies aus politischen
Gründen unterlassen, was der Staatskasse 6,7 Millionen Pfund Sterling
kostete. Im Jahre 1749 wurde die Konversion doch durchgeführt;
es wurde festgesetzt, daß diejenigen, die im Laufe von 3 Monaten
erklären, daß sie vom Jahre 1757 angefangen sich mit 3 Prozent
begnügen, bis Ende 1750 4 Prozent, von 1750—57 3 Prozent bekommen.
 Die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts durchgeführten
 Konversionen haben die Zinsen fast um 7,1 Millionen
Pfund erleichtert, was ein Sechstel der Ausgaben und ein Drittel
der Schuldenlast bedeutete. Im 19. Jahrhundert werden die Konversionen
 fortgesetzt; von 1822—1854 wurde ein Zinsenersparnis
von 3,6 Millionen Pfund Sterling erreicht. Die größte Konversion
war die des Jahres 1888, welche Göschen durchführte. Anstatt
der 3 prozentigen Rente wurde den Gläubigern ein Papier gegeben,
‚daß von 1889—1903 23%, Prozent trug, von 1903 angefangen
21 Prozent und welches bis 1923 keiner neuen Konversion unterzogen
 werden durfte. Die Konversion erstreckte sich auf einen
Betrag von 558 Millionen Pfund Sterling; das jährliche Zinsenersparnis
 betrug bis 1903 1,4, nach 1903 2,8 Millionen Pfund.
Gegenüber dem großen Erfolge dieser Konversion ist daran zu erinnern,
 daß England schwer büßen mußte für jenen Fehler seiner
Finanzminister, welche die Kosten der amerikanischen und napoleonischen
 Kriege mittels weit unter pari emittierten Anlehen deckten,
die natürlich nicht konvertiert werden konnten. %
Frankreich hat weit weniger wie England dem Prinzip der
‚Konversionen gehuldigt. Seine Staatsmänner wollten die Staatsgläubiger
 schonen, unter denen viele kleine Existenzen waren, WOo-0)


            
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