I. Abschnitt. Das Budget. 81
in der ordentlichen oder in der außerordentlichen Gebarung; das
erstere ist das gefährlichere, indem es zum Ausdruck bringt, daß
selbst die ordentlichen Ausgaben durch die ordentlichen Einnahmen
nicht gedeckt werden können. Hier kann nur eine Streckung der
ordentlichen Einnahmequellen helfen. Die erste Voraussetzung der
rationellen Führung des Staatshaushaltes ist, daß die ordentlichen
Einnahmen die ordentlichen Ausgaben decken, während es weniger
gefährlich ist, wenn die ordentlichen oder außerordentlichen Ein-
nahmen die außerordentlichen Ausgaben nicht zu decken vermögen.
Die Bedeutung des Defizits ist höchst verschieden, je nachdem es
vorübergehend oder andauernd, akut oder chronisch ist. Akute
Defizite können infolge außerordentlicher Verhältnisse auch in dem
geordnetsten Staatshaushalte entstehen, aber das chronische Defizit
weist auf einen krankhaften Zustand des Staatslebens hin, auf die
Inkongruität von Staatszwecken und Staatsmitteln. Die Heilung
des chronischen Defizits kann erst dann als gelungen betrachtet
werden, wenn jene Ursachen entfernt werden, welche dasselbe her-
vorrufen, während bei deren Verbleiben, wenn es auch in dem einen
oder anderen Jahre gelingt, das Defizit zu eliminieren, dasselbe
alsbald wiederkehren wird. Neben dem eigentlichen Defizit unter-
scheidet man das Kassendefizit, welches sich aus der verschiedenen
Periodizität von Einnahmen und Ausgaben ergibt. Solche Defizite
werden entweder aus den Kassenbeständen oder durch Aufnahme
schwebender Schulden beseitigt. Das Defizit ist oft ein verstecktes,
wenn Ausgaben nicht eingestanden werden, ein scheinbares, wenn
Vermögensgegenstände angeschafft werden. Viel seltener als Defizite
zeigen sich im Staatshaushalte Überschüsse, bei denen beiläufig
gleichfalls die obigen Unterschiede gemacht werden können. Natür-
lich bergen die Überschüsse keine Gefahren, aber auch deren
Stabilisierung ist nicht immer ein günstiges Zeichen, da in diesem
Falle eine Reduzierung der Kinnahmequellen geraten ist. Aber
auch andere Komplikationen können sich aus der Überschußwirt-
schaft ergeben, wie dies vor Jahren das Beispiel der Vereinigten
Staaten zeigte, wo die Einnahmen — hauptsächlich Zölle — so
bedeutend waren, daß die Verwendung derselben große Sorge be-
reitete, denn die Rückzahlung der Staatsschulden war den Staats-
gläubigern nicht genehm, die Herabsetzung der Zölle hinwieder
stieß auf den Widerstand der geschützten Industrien. Die Über-
schüsse lassen sich im allgemeinen am zweckmäßigsten zur Schulden-
tilgung, zur Vermehrung des Staatsvermögens, zur Stärkung der
Kassenbestände, zur Abschaffung drückender oder irrationeller
Steuern usw. verwenden.
Földes, Finanzwissenschaft. 2. Aufl.
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