thumbs: Neuere Zeit (Abt. 2)

132 Siebzehntes Buch. Drittes Kapitel. 
mistischen Naturwissenschaft gewesen, und das blieb auch die 
Voraussetzung des neuen Realismus. 
Traf sie aber zu, so mußte es auch nach der neuen natura— 
listischen Auffassung doch wieder eine Methode der Ableitung all 
ihrer Geheimnisse von einem obersten Prinzip, von einem einzigen 
Punkte aus geben. Und nachdem eine solche Ableitung aus 
der stofflichen Hypothese eines allgemeinen Kräftezusammenhangs 
im Pandynamismus gescheitert war, schien es auch nicht mehr 
zweifelhaft sein zu können, wo sie nun zu suchen war. Wohin 
man auch in den einzelnen Gebieten der Natur und der Ge— 
schichte den Blick wandte, da ergab sich der Erfahrungs⸗ 
inhalt in die Begriffe des Raumes und der Zeit gebettet. 
Raum und Zeit also mußten vor allem in ihren empirischen 
Beziehungen in sich und untereinander begriffen werden, wie 
sie am Ende sich auf den noch einfacheren Oberbegriff der 
Größe reduzieren ließen; erst durch dieses Begreifen hindurch, 
auf einem solchen, rein formalen Wege glaubte man aus dem 
Ganzen der Erscheinungen zum Verständnis des Einzelnen ge— 
langen zu können. 
Als Wissenschaft der einfachen Größe aber, des Raumes 
und der Zeit, erschien die Mathematik. Sie konstituiert — so 
wurde der Zusammenhang angesehen — über dem bunten Getriebe 
des Konkreten und Veränderlichen die Lehre von Raum und 
Zeit als eine exakte und absolute Wissenschaft, wie sie in ihrem 
Fortschritt der Berichtigung durch die Kontrolle erneuter Wahr—⸗ 
nehmungen der Erscheinungswelt in keiner Weise mehr bedarf; 
sie enthält damit die Prinzipien einer wahren deduktiven Me— 
thode, vermöge deren es gelingen muß, von ihrer vollständigen 
Entfaltung aus auch das Reich des sinnlich Konkreten zu erklären. 
Mathematik also und durch sie hindurch Verständnis der 
Erscheinungswelt: das wurde zunächst die Losung. 
Aber auch dieser Gedankengang war im 16. Jahrhundert 
nicht völlig neu. Es ist schon an dem Beispiel Platos mit 
zwei Worten gezeigt, von welchem Einfluß die Mathematik 
bereits auf die Philosophie der Alten gewesen ist. Freilich 
blieben die Alten dabei in der Mathematik der Hauptsache nach
	        
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