einigten Staaten waren zwar längst nicht mehr ein
reiner Schuldnerstaat, der Geld aus dem Aus-
land leihen mußte, sondern waren — gerade durch
Morgan — seit der Jahrhundertwende etwa in immer
steigendem Maße dazu übergegangen, selbst Geld
auszuleihen. Aber diese ihre Betätigung erstreckte
sich — von einigen Ausnahmen abgesehen, von denen
die Auflage von Anleihen für Deutschland, für Groß-
britannien während des Burenkrieges und für Japan
zur Zeit des Russisch-Japanischen Krieges die wichtig-
sten waren — auf Staaten, die in der hohen Politik
eine weniger wichtige Rolle spielten, besonders auf
die mittel- und südamerikanischen Länder. Die wirt-
schaftspolitische Bedeutung dieser Finanzgeschäfte
soll damit durchaus nicht verkleinert werden, denn sie
half den Boden vorzubereiten für die immer zunehmende
Durchdringung der Wirtschaft Lateinamerikas mit
vereinsstaatlichem Kapital und damit schließlich auch
für die stets wachsende politische Beeinflussung dieses
Erdraums durch die große nordamerikanische Re-
publik.
Erst der Weltkrieg machte die Vereinigten Staaten
zu der wichtigsten Gläubigernation, verschob das
Finanzzentrum der Welt von London nach New York
und brachte damit die immer unverhülltere Abhängig-
keit der Politik der Alten Welt von der rein finanz-
technischen Seite des Wirtschaftslebens mit sich, die
man wohl als Amerikanisierung bezeichnen kann.
Denn sie war im Grunde genommen nichts anderes
als die Ausdehnung amerikanischer Ideen auf Europa.
Früher wurde die Wirtschaft weitgehend von der
Politik beherrscht, und hatte auch schon die zweite
Hälfte des 19, und der Beginn des 20. Jahrhunderts in
weitgehendem Maße eine Umkehrung des Verhält-
nisses gebracht, so wurde doch wenigstens nach außen
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