Full text: Die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Kohlenbergbau der Ver. Staaten

Vertragsstaaten — das erklärt sich aus dem geschicht- 
lichen Entwicklungsgang — eine Unternehmerabord- 
nung zu der Zwischenstaatlichen Lohnkonferenz, auf 
der der Gewerkverein als Gegenpartei auftritt, zusam- 
mengestellt. Die Uniongruben der andern Staaten 
haben bisher stets die Beschlüsse der Konferenz, ohne 
auf ihr vertreten zu sein, angenommen. 
In unserer Beurteilung der amerikanischen Ver- 
hältnisse macht sich vielfach eine gewisse Über- 
schwenglichkeit geltend. Nicht zuletzt gilt dies auch 
Verhältnis für das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und 
zwischen Arbeitnehmern. Da wird dem Arbeiter ein Gefühl 
Arbeitgebern ger Zugehörigkeit zu seinem Werk nachgerühmt, von 
A Arbeitchmern einem Vertrauensverhältnis von Arbeitgeber zu Arbeit- 
* nehmer gesprochen, die Fairness des amerikanischen 
Arbeiters betont, der sich unbedingt an die von ihm 
getroffenen Abmachungen halte. Dieses gute Einver- 
nehmen werde zwar gelegentlich durch gewaltige 
Arbeitskämpfe, die mit großer Erbitterung durchge- 
führt würden, gestört, aber nach ihrer Beendigung 
herrschte wieder. Ruhe und Frieden. 
Ich habe dieses rosige Bild durch die Verhältnisse 
des amerikanischen Kohlenbergbaus in keiner Weise 
bestätigt gefunden. Zunächst sprechen dagegen die 
Ausstände außerordentlich hohe Zahl und der Umfang der Aus- 
und stände (s. Zahlentafel 36 und Abb. 45). In den Jahren 
Aussperrungen. 1000 bis 1923 gingen im amerikanischen Steinkohlen- 
bergbau mehr als 211 Mill. Arbeitstage durch Streiks 
und Aussperrungen verloren. Wie aus der Abbildung 
zu entnehmen ist, schwankt der Verlust an Arbeits- 
tagen infolge von Arbeitsstreitigkeiten ganz außer- 
ordentlich. Bei näherm Zusehen finden wir aber, daß 
es mit Ausnahme von 1919 vor allem die graden 
Jahre sind, welche besonders hohe Verluste aufweisen. 
Das rührt daher, daß in diesen nach Ablauf der 
auf 2 Jahre abgeschlossenen Lohnabkommen die 
Erneuerungsverhandlungen stattfinden, die, wenn 
nicht immer, so doch meist mit Arbeitsunterbrechun- 
gen verbunden sind. Wollte man diese Arbeitsunter- 
brechungen als etwas in der Natur der Sache Liegendes 
betrachten, etwa als ein Korrektiv der Übersetzung 
im Weichkohlenbergbau, womit für eine Spannung 
zwischen den beiden Parteien nichts bewiesen sei, so 
ist doch darauf hinzuweisen, daß auch in den andern 
Jahren während das Abkommen läuft, die Verluste 
an Arbeitstagen vielfach außerordentlich groß sind. 
Hierbei handelt es sich fast durchgehends, wenigstens 
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