Full text: Die Technik des wirtschaftlichen Verkehrs

EINFÜHRUNG 5 
Daraus ergibt sich die Notwendigkeit des Handels, der nach 
Maßgabe der jeweiligen wirtschaftlichen Verhältnisse durch das 
Stimulans der Preisunterschiede überall dort eintritt, wo solche 
Inkongruenzen. vorhanden sind und bei ihrem Verschwinden auch 
von selbst wieder dem direkten Verkehr zwischen Produzenten und 
Konsumenten Platz macht. 
Wo solche Inkongruenzen nicht vorhanden sind, wird auch kein 
Handel entstehen; so gibt es z. B. keinen Handel in Zuckerrüben, 
weil die Zuckerfabriken im Umkreise der Rübenfelder liegen und 
die Zuckerkampagne sofort an die Rübenernte anschließt; das vorhin 
angeführte Beispiel des Schuhwarenhandels zeigt, daß dieser nur 
durch die Verschiedenheit der Menge entstanden ist, usw.%). 
2. DAS GELD 
Die rege Tauschtätigkeit, die mit der verkehrswirtschaftlichen 
Organisation einsetzt, .bedarf zunächst eines Mittels, das Tauschen 
zu erleichtern; denn der Bauer, der sein Getreide gegen einen Pflug 
austauschen wollte, fand nicht leicht einen anderen mıt einem 
Pfluge, der Getreide brauchte. Man nahm daher für seine Güter, 
wenn man sie nicht in der gewünschten Weise austauschen konnte, 
zunächst andere, die infolge ihrer größeren Absatzfähigkeit jederzeit 
wieder leicht austauschbar waren, und tauschte dann für diese Güter 
in einem zweiten Tauschakte die benötigten Güter ein. „Der In- 
begriff jener Güter, die mit Rücksicht auf Ort und Zeit die absatz- 
fähigsten sind, von jedermann im Tausche angenommen und dadurch 
zum allgemeinen Zahlungsobjekte werden, ist Geld!).‘“ Diese absatz- 
fähigsten Güter werden allgemeines Tauschmittel, dann auch außer- 
halb des Tausches allgemeines Zahlungsmittel (für Abgaben, Strafen 
u, a.) und ermöglichen und erleichtern den wirtschaftlichen Verkehr. 
Daher bezeichnet Helfferich als Geld „die Gesamtheit derjenigen 
Objekte, die in einem gegebenen Wirtschaftsgebiete und in einer 
gegebenen Wirtschaftsverfassung die ordentliche Bestimmung haben, 
den Verkehr zwischen wirtschaftlichen Individuen zu vermitteln“ ?), 
Immer häufiger tritt an die Stelle des direkten Tausches der Verkauf 
und Kauf der Güter gegen Zahlung in Geld, auch die anderen Zah- 
lungen, wie Zinsen, Darlehen und deren Rückzahlung, Löhne, Ge- 
*) Gerade die üblen Erfahrungen, die während des Weltkrieges und 
besonders in der Nachkriegszeit in Mitteleuropa mit der gewaltsamen Aus- 
Schaltung des Handels gemacht werden mußten, erheischen, daß diese wirt- 
schaftlichen Binsenwahrheiten in einer möglichst leichtfaßlichen: Form, wie 
S16 in der vorstehenden Lehre von den Inkongruenzen versucht worden ist, 
den weitesten Bevölkerungsschichten immer wieder klargemacht werden. 
1) C. Menger, Grundsätze der Volkswirtschaftslehre. 7 
2?) Helfferich, Das Geld. 2. Aufl. Berlin 1910. S.. 220 ff.
	        
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