Full text: Die Technik des wirtschaftlichen Verkehrs

EINFÜHRUNG 13 
In Zeiten finanzieller Bedrängnis ist der Staat, um seinen Ver- 
pflichtungen nachzukommen, gezwungen, entweder selbst uneinlös- 
liche Staatsnoten auszugeben oder Darlehen bei der Notenbank auf- 
zunehmen, die dafür wieder uneinlösliche Banknoten ausgibt. Je 
mehr solcher Noten ausgegeben werden, desto mehr sinkt ihr Wert; 
der Staat muß ihnen, um sie im Verkehre zu erhalten, den Zwangs- 
kurs verleihen, das heißt das Recht, bei allen Zahlungen verwendet 
werden zu können. Jedermann leistet seine Zahlungen in dem 
minderwertigen Gelde, daher in Noten, die infolge des Zwangskurses 
von jedermann im Inland angenommen werden müssen; die Kurant- 
münzen dagegen werden zurückgehalten oder zu Zahlungen an das 
Ausland verwendet, weil der Zwangskurs der Noten sich nur auf das 
Inland erstreckt. Die Kurantmünzen eines solchen Landes sind nicht 
Mehr gleichwertig (pari) mit dem uneinlöslichen Papiergeld: um 
Kurantmünzen zu bekommen, muß ein Aufgeld oder Agio auf den 
Betrag in Noten gezahlt werden, während die Noten nur mit einem 
Abzuge, Disagio, von dem gleichen Betrag in Kurantmünzen ge- 
nommen werden, 
Der Notenbank eines solchen. Landes muß gestattet werden, die 
Einlösung ihrer Noten in barem Gelde einzustellen („ihre Bar- 
zahlungen zu sistieren‘“), weil ihr sonst der gesamte Barvorrat ent- 
zogen würde, 
Die Ausgabe von uneinlöslichen Staatsnoten hat somit die Un- 
einlöslichkeit der Banknoten und, falls die Ausgabe in größerer 
Menge erfolgt, die Höherbewertung und daher das Verschwinden der 
Kurantmünzen und selbst auch der Scheidemünzen zur Folge; der 
gesamte Zahlungsverkehr eines solchen Landes wird nur durch 
Papiergeld bewirkt: man bezeichnet solche Geldverhältnisse kurzweg 
mit Papierwährung, 
Uneinlösliches Papiergeld ist unelastisch: seine Aufgabe wird 
nicht geregelt durch den Bedarf des wirtschaftlichen Verkehrs. an 
Geld, sondern durch den Geldbedarf des Staates. Daher kann die 
Menge der ausgegebenen Noten so groß werden, daß ein Überfluß an 
Zahlungsmitteln entsteht, der ihre Kaufkraft vermindert, und die 
Preise und Löhne in die Höhe treibt, Man bezeichnet diese Über- 
sättigung des Verkehrs mit Zahlungsmitteln als Inflation1!!). Der 
Wert des uneinlöslichen Papiergeldes ist fortwährenden Schwan- 
kungen unterworfen, denn er hängt ab von dem Kredite des Staates 
beziehungsweise der Bank, von der Menge der ausgegebenen Noten 
und von vielen anderen Einflüssen, Weil aber in diesem so be- 
1) Eine Inflation kann sohin auch durch Metallgeld hervorgerufen 
werden, siehe die Folgen der Bland und der Sherman Bill in den Vereinigten 
Staaten von Amerika, die Goldinflation in Schweden während des Welt- 
krieges u. a.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.