212 DIE TECHNIK DES WIRTSCHAFTLICHEN VERKEHRS
genannt, die den weitesten Kreisen der Bevölkerung die Einlage
von Geldern in jeder Höhe sehr erleichtern. Diese stetig wachsenden
Einlagen haben es den Banken ermöglicht, ihre Aktivgeschäfte außer-
ordentlich auszudehnen.
Vorbildlich wirkte in dieser Hinsicht das englische Bankwesen.
Dort sind das Einlagengeschäft und das Girogeschäft die weitaus
bedeutendsten Geschäfte der großen Aktienbanken, die daher auch
als Depositenbanken bezeichnet werden. Durch ein weit verzweigtes
Netz von Filialen haben diese Banken Kapitalien an sich gezogen,
die ihr eigenes Kapital um ein Vielfaches übersteigen und die sie
nunmehr zum großen Teil in ihren Aktivgeschäften verwenden ®).
Je nachdem es sich um eine Einlage oder um ein Guthaben auf
Girokonto handelt, unterscheidet man das Deposit Account und das
Current Account (Girokonto); auf diesem werden häufig keine
Zinsen vergütet, die Abhebungen erfolgen mittels Schecks. Die Ein-
lage auf Deposit account ist gewöhnlich at call oder mit siebentägiger
Kündigung rückzahlbar und wird verzinst; Schecks können auf das
Deposit account nicht gezogen werden. Die Current accounts bilden
die Mehrzahl, weil der Giroverkehr in allen Bevölkerungsschichten
üblich ist. Ohne Eröffnung eines Kontos werden Einlagen gegen
Deposit receipt (Kassaschein) gewöhnlich auf 7 Tage entgegen-
genommen.
In den Vereinigten Staaten von Amerika befassen sich sowohl
die States banks wie auch die National und Federal reserve banks
mit dem Depositengeschäft (siehe amerikanisches Bankgesetz S. 142);
auch die Trust companies, ursprünglich reine Treuhänder und Ver-
mögensverwalter, haben sich später dem Depositengeschäft zuge-
wendet. Hiefür bestehen strenge gesetzliche Vorschriften: Schon
nach dem Nationalbankgesetz waren die Nationalbanken verpflichtet,
einen Teil ihrer sogenannten Netto-Depositen (das sind die Depo-
siten abzüglich der täglich fälligen Guthaben) als Reserve in „ge-
setzmäßigen Gelde‘“ zu halten. Zu diesem Zwecke wurden nach der
Größe der Städte drei Kategorien von Banken unterschieden: die
6) Ende 1926 besaßen die zehn London Clearing Banks ein Aktien-
kapital von 70-7 Millionen © und Depositen von 1725-5 Millionen %. Hievon
entfielen auf die sogenannten „Big Five‘, und zwar: |
A Reservefonds Kontakorront-
ia Tausenden: £
Barclay’s Bank . . . 15.858 10.250 309.883
2 15.810 10.000 347.653
Midland Bank . . 12.665 12.665 368.160
Westminster Bank ., 9.320 9.320 286.592
National Provincial Bank: 9.479 9.479 260 126