Full text: Statische oder dynamische Zinstheorie?

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wollte, daß bei heftigen Gewittern umgekehrt der Donner dem 
Blitze vorauszugehen pflege und zum Beweise dieser pikanten 
Behauptung darauf hinwiese, daß es ja schon dann von voraus- 
gegangenen Blitzen her meistens schon donnere, ehe die 
späteren Blitze nachfolgen, so würden wir dies wahrscheinlich 
für einen mehr oder weniger gelungenen dialektischen Scherz 
halten. Mit einem analogen dialektischen. Scherz soll aber hier 
ernstlich für die These von der Entbehrlichkeit von Vorräten 
Stimmung gemacht werden: wozu soll man für die Befriedigung 
der in der Zwischenzeit zwischen Aufwendung und Erfolg sich 
einstellenden Bedürfnisse Gütervorräte brauchen, wenn der 
Erfolg mit der Aufwendung „gleichzeitig“ eintritt‘“1)? 
Nun aber zu Schumpeter. Auf den ersten Blick muß es 
scheinen, als ob die Auslegung, die wir soeben dem Clarkschen 
Synchronisierungsgedanken gegeben haben, auch auf Schum- 
peters Ausführungen über diesen Punkt zutrifft. Besonders 
naheliegend ist dieser Schluß, wenn man Schumpeters oben 
zitiertes Beispiel von den zwei ineinandergeschachtelten Pro- 
duktionsperioden studiert, das ja zur Verdeutlichung des Syn- 
chronisierungsgedankens dienen soll. In dieser statischen Wirt- 
schaft sind am Anfang jeder Periode gerade soviel genußreife 
Güter, die aus der vorhergehenden Periode überkommen sind, 
vorhanden, um die in der laufenden Periode zwecks Umwandlung 
der ebenfalls aus der vergangenen Periode stammenden 
Zwischenprodukte in genußreife Güter und Reproduktion der- 
selben notwendigen Arbeits- und Bodenleistungen mit dem vollen 
Produktwerte entlohnen zu können. Schumpeter knüpft an 
diese Feststellung folgende Bemerkungen an: „Arbeiter und 
Grundherren tauschen also ihre produktiven Leistungen stets 
nur gegen gegenwärtige Genußgüter aus, mögen die ersten 
nun unmittelbar oder erst mittelbar zur Genußgüterproduktion 
verwendet werden. Wir bedürfen auf diese Weise der Annahme 
nicht, daß sie ihre Arbeits- und Bodenleistungen gegen zu- 
künftige Güter vertauschen oder gegen Versprechungen oder 
gegen Vorschüsse auf das künftige Genußgut. Es handelt sich 
einfach um einen Tausch. nicht um ein Kreditgeschäft. Das 
1) Böhm-Bawerk, Eine ‚„,‚dynamische‘‘ Theorie d. Kapitalzinses, 
& 923/24 (die Unterstreichungen stammen von Böhm-Bawerk).
	        
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