Full text: Denkschrift über die in der Schweiz, Norwegen, Schweden, Kanada und den Vereinigten Staaten von Nordamerika getroffenen Maßnahmen zur Preisstabilisierung des Getreides sowie über die dabei gemachten Erfahrungen

Nr. 2785 
nährung, sondern als Viehfutter. Seit Mitte der 
achtziger Jahre bis zum Kriegsausbruch verminderte 
sich die angebaute Getreidefläche von etwa 200 000 
Hektar auf 100 000 ha, also um die Hälfte. Sie 
hetrug bei 2,22 Millionen Hektar land- und alpwirt— 
schaftlich benutzten Bodens in der gesamten Schweiz 
nicht mehr als den zwanzigsten Teil der Kulturfläche. 
Im Jahre 1897 schrieb Professor Ad. Krämer, 
Lehrer der Landwirtschaft an der Eidgen. tech— 
nischen Hochschule in Zürich, in einer Abhandlung 
über „Die Landwirtschaft im schweizerischen Flach— 
aude“: 
„Es darf wohl daran erinnert werden, daß 
die Bedingungen für einen systematischen uud 
forcierten Betrieb des Getreidebaues wenig— 
stens in einem großen Teil unseres Flach— 
landes, und vornehmlich im ganzen Osten 
desselben, denn doch im Verhältnis zu den— 
jenigen in den eigentlichen Korngegenden des 
Auslandes recht erschwerende sind. Das aus— 
gesprochen feuchte Klima mit seinem Reich— 
tum an Sommerregen, der vorherrschend 
schwere, vielfach steinige, stark geneigte 
Boden, die großen Zeit- und Kraftverluste, 
welche die Durchführung des eigentlichen 
Feldbaues im kleineren Besitzstande begleiten, 
die Hindernisse, welche sich hier der Zuhilfe— 
nahme von Säe- und Erntemaschinen ent— 
gegenstellen, alle diese Verhältnisse wirken— 
zusammen, um ein Endresultat herbeizuführen, 
welches lautet: Relativ hohe Produktions— 
kosten des Getreides. Es kommt aber noch 
dazu, daß der Großhandel in Getreide heut— 
zutage viel höhere Ansprüche an dessen Qua— 
litäten stellt als früher, und daß wir hier— 
zulande, von einzelnen bevorzugten Lagen und 
Jahrgängen äbgesehen, in dieser Richtung an 
die Produkte der trockenen wärmeren Ebenen 
kaum heranreichen können.“ 
Die Deckung des Bedarfs an Brotfrucht für 
menschliche Nahrung erfolgte im Jahre 1913 zu 
/3 aus dem Ausland. 
Die Ernte an Weizen und Roggen 
betrug im Jahre 1918.....7. 
Demgegenüber bestand ein Bedarf 
(wobei 170 kg auf den Kopf der 
Bevölkerung von 3753 298 nnach 
dem Stande vom 1. Dezember 1910) 
gerechnet worden sind) von. .. — 6861000- 
Somit ergab sich ein Fehlbetrag von 4906 000 de 
Tatsächlich wurde aber mehr als dieser Fehl— 
betrag eingeführt. 
Die Einfuhran Weizen im Jahre 1918 
betrug. 32092278 de 
an Mehl (umgerechnet in Getreide 
80 kg Mehl — 100 kg Weizen) . .. 544748 ⸗ 
Gesamteinfuhr . .. 58837021 da 
Es ergab sich somit, die Einfuhr 
mit dem Fehlbetrag verglichen, ein 
Überschuß von.. 
Dieser Überschuß diente in der Hauptsache land— 
Airtschaftlichen Zwecken, d. h. mehr als die Hälfte 
es inländischen Ertrages fand Verwendung als 
SZaatgut, zu Brennereizwecken und als Futter— 
nittel), so daß die dem menschlichen Verzehr zu— 
jeführte Inlandsfrucht schließlich kaum noch, etwa 
des schweizerischen Brotbedarfs ausmachte. 
Die Bevölkerung in der Schweiz betrug im 
Fahre 1920 8,8 Millionen. Die im Verhaͤltnis 
ur fruchtbaren Fläche große Einwohnerschaft kann 
ich nur zum kleineren Teil landwirtschaftlich be— 
ätigen. Neben 1040087 Berufstätigen und An— 
sehörigen der Urproduktion zählte man 1910 
604043 Berufszugehörige der Industrie, 
77780 des Handels, 234 411 des Verkehrs und 
14966 Berufszugehörige der öffentlichen Ver— 
valtung. Der Rest entfällt auf freie Berufe und 
zerufslose. Die ausgedehnte Industrie, die zum 
rroßen Teil für die Ausfuhr arbeitet, ist in der 
dauptsache Qualitätsindustrie, so Uhrenindustrie, 
ztickerei und Seidenindustrie sowie Maschinen— 
idustrie. In landwirtschaftlicher Hinsicht ist' die 
zchweiz ein Land mit ausgesprochenem klein- und 
tittelbäuerlichen Grundbesiß. Nach der Betriebs— 
ählung von 1905 verfügten von insgesamt 
43 710 landwirtschaftlichen Betrieben 100 390 über 
veniger als 3 ha, nur 2664 Betriebe wiesen mehr 
ils 70 ha Kulturfläche auf. Von diesen Groß— 
etrieben besteht aber der größte Teil aus Walkld 
ind Weide. Das Alpgebiet ist von altersher Ge— 
iet der Viehzucht und Viehhaltung. Das Mittel— 
and war die Kornkammer des Landes. Im Jura 
vechselt Ackerbau mit Weide und Waldwirtschaft. 
MNit der Graswirtschaft verbindet sich eine aus— 
zedehnte Obstkultur. Vom Endrohertrag der schwei— 
zerischen Landwirtschaft entfielen 1922 nach stati— 
tischen Erhebungen des Bauernsekretariats: 
auf Milch- und Molkereiprodukte. .. 86,47 v. H. 
Vieh⸗ und Pferdezucht .. . 34,18 ⸗ 
Geflügelhaltung .. G,62 ⸗ 
Weinbau.. —X 
Betreidebau . 460- 
Obstbau. ... 4,66 ⸗ 
Kartoffelbau. 3,060 ⸗ 
Bemüsebau .. 2,11 ⸗ 
Verschiedenes . 1,71 ⸗ 
Der Wert der gesamten landwirtschaftlichen Er— 
eugung int gleichen Jahr wurde auf 1329,28 Mil⸗ 
ionen Franken geschätzt. Hiervon eutfällt auf den 
»etreidebau unter Abrechnung des im landwirt— 
chaftlichen Betrieb verwendeten Getreides ein Er— 
rag von nur 65 Millionen Franken, während der 
zeschätzte Ertrag aus Milch, Molkereiproduktion, 
Hieh- und Pferdezucht, Geflügelhaltung und Bienen— 
zucht nahezu 1050 Millionen Franken beträgt. Der 
Lebensmittelverbrauch der schweizerischen Bevölke— 
ung gestaltete sich nach Berechnungen des schweize— 
ischen Bauernsekretariats unter Zugrundelegung 
»er Großhandelspreise (Einfuhrwerte und Erlöse der 
nländischen Produzenten) wie folgt: 
1). Dr. A. Egli, Getreideversorgung der Schweiz. S.23
	        
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